Humboldt-Forum : Die Kernfrage

Ruhig ist’s derzeit ums geplante Humboldt-Forum. Erst Ende November sind neue Debatten zu erwarten, wenn der Architekturwettbewerb abgeschlossen sein wird. Doch im Stillen wird längst intensiv gearbeitet.

Bernhard Schulz

Die „Initiative Humboldt-Forum bei der Stiftung Zukunft Berlin“ plant am 15. September eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Was erwartet die Welt vom Humboldt-Forum in Berlin?“ beginnen wird. Das ist denn auch die Kernfrage, die die Initiatoren Christine von Heinz, Volker Hassemer und Rudolf zur Lippe gestern vor Journalisten erläuterten. Der japanische Philosoph Ryosuke Ohashi, der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali und der hoch geehrte peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa werden im Herbst in Häusern der Museumsinsel sprechen.

Zumal Christine von Heinze, der Humboldt-Nachfahrin, geht es um die Neubelebung der Humboldt’schen Ideale – beider Brüder wohlgemerkt, „schade, dass in der Öffentlichkeit immer nur Alexander präsent ist“. Wilhelm schließlich habe gesagt, das Fremde sei das, „dessen wir bedürfen, zur Entwicklung unserer Menschlichkeit“, und nicht, „um uns abzugrenzen“. Die Humboldt-Brüder, so Prinz zur Lippe, hätten es verstanden, die Begegnung mit anderen Kulturen „ohne Voraussetzungen zu praktizieren“, und heute müssten wir die Begegnung „mit den vielen Modernen der Welt“ suchen.

So müsse das Humboldt-Forum „etwas ganz Neues werden und sich weit über das Bürgertum hinaus an breitere Schichten wenden“, es benötige „flexible Strukturen“, zudem einen eigenen Intendanten; und dann, so Frau von Heinze weiter, könne „vielleicht ein neues Selbstverständnis der Öffentlichkeit in der Begegnung mit anderen Kulturen entstehen“. Es müsse, so der frühere langjährige Kultur- sowie Stadtentwicklungssenator Hassemer, „ein Haus sein, das die heutige Situation der Kulturen der Welt beschreibt“, in dem „Theater, Musik und Sprache gleichberechtigt ihren Platz finden“. Keinesfalls, so die Initiatoren, dürfe das Haus ein Museum werden. Es ginge „um die Anschaulichkeit der Welt in ihren bewussten Hervorbringungen“, so Christine von Heinze, die sich immer wieder auf die dem Schlossgelände benachbarte Museumsinsel bezog. Die habe Wilhelm von Humboldt begründet, mit Blick auf das „ganzheitliche Denken“ der Griechen. So blieb denn die Zwischenfrage nach den Unterschieden zum längst bestehenden Haus der Kulturen der Welt elegant unbeantwortet; es sei denn, man wollte Hassemers Formulierung, das Humboldt-Forum müsse „für alles, was in Berlin passiert, einen Qualitätssprung bedeuten“, auf die Goldwaage legen. Was die Welt vom Forum erwartet, ist jedenfalls eine Frage, auf deren Beantwortung man gespannt sein darf. Bernhard Schulz

Erste Veranstaltung am 15. September. Infos: www.initiative-humboldt-forum.eu

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