Humboldt-Forum : Koloniale Erben - eine Schloss-Debatte

Was soll ins Schloss? Eine Diskussion in Berlin zeigt, dass die Fragen, die das Humboldt-Forum als ein Mega-Museum außereuropäischer Kulturen aufwerfen wird, längst nicht beantwortet sind.

Bernhard Schulz

Was ist eigentlich eine Maske, fragt Mamadou Diawara aus Mali, Professor für Historische Ethnologie an der Frankfurter Goethe-Uni: „Eine Maske hier ist keine Maske dort, wo sie herkommt!“ Wir müssten diskutieren, „was hier geschieht“. Hier sind die Objekte stumm, aber in ihrem Ursprungszusammenhang kleiden sie Menschen aus Fleisch und Blut.

Diawaras prägnante Wortmeldungen sind die Höhepunkte des Abends, den die Berliner Initiative Humboldt-Forum um Volker Hassemer und Christine von Heinz als dritte Veranstaltung dieser Art im Pergamon-Museum veranstalteten. Nein, es wäre ungerecht, den Karlsruher Kunsthistoriker Hans Belting unerwähnt zu lassen, der mit seinem großartigen Buch „Florenz und Bagdad“ eine Perspektive zwischen Abend- und Morgenland aufgerissen hat, die das künftige Humboldt-Forum noch beschäftigen wird. Aber Diawara legt den Finger exakt in die Wunde: Können wir noch Museen errichten, wenn die Globalisierung die bisherigen Einteilungen der Sammlungsobjekte über den, ja über jeden Haufen geworfen hat? Was heißt noch „Fremdheit“ in einer globalisierten Welt? Oder, wie Belting fragt: „Wie kann man die Distanz zu einer in ihrer Entstehungszeit triumphalen Ausstellungsform – dem Völkerkundemuseum – überwinden in einem Gebäude, das genau diese alte Form aufgreift?“

Die zwar nicht aufs Podium geladenen, aber gleichwohl mitdiskutierenden Verteidiger des Humboldt-Forums haben es schwer an diesem Abend; Hermann Parzinger, als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz künftiger Hausherr im Humboldt-Schloss, kann sich nur mit Verweis auf die in englischer Übersetzung befindliche Konzeption retten. Und ist geistesgegenwärtig genug, Professor Diawara sofort in das zu bildende internationale Expertengremium zu berufen. Aber dass die Fragen, die das Humboldt-Forum als ein Mega-Museum außereuropäischer Kulturen aufwerfen wird, schon beantwortet seien, wird nach diesem Abend niemand behaupten können. Sie werden gerade erst gestellt. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben