• Huschang Golschiri: Die Freiheit in der Unfreiheit - Zum Tod des iranischen Schriftstellers

Kultur : Huschang Golschiri: Die Freiheit in der Unfreiheit - Zum Tod des iranischen Schriftstellers

Gregor Dotzauer

In Deutschland hatte er schon fast eine zweite Heimat - auch wenn er seine erste nicht verlassen wollte. "Nur in der eigenen Sprache, im eigenen Land", sagte Huschang Golschiri, "sind wir lebendig. Im Ausland sind wir als Schriftsteller tot." Deswegen hat er auch nie die Chance genutzt, für immer ins Exil zu gehen: Er begnügte sich mit Aufenthalten. Irans berühmtester Autor war 1997 vier Monate lang Gast der Heinrich-Böll-Stiftung. 1998 erschien bei C. H. Beck sein viel beachtetet Erzählungsband "Der Mann mit der roten Krawatte". Vergangenen Herbst erhielt er den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück. Und im nächsten Jahr sollte er ein einjähriges, vom Internationalen Schriftstellerparlament ausgerichtetes Stipendium für verfolgte Schriftsteller in Berlin wahrnehmen.

Für jede neue Freundschaft ist es nun zu spät: Am Montag ist Golschiri mit 63 Jahren in Teheran gestorben - eines natürlichen Todes, wie man sich zu versichern beeilt. Denn Golschiri, der heimliche Mittelpunkt der weltlichen Intellektuellen, die sich für eine Wiederbelebung des unabhängigen Schriftstellerverbands einsetzten, stand immer noch auf der Todesliste konservativer Kreise. Atemwegsprobleme seien die Todesursache gewesen, sagt die Familie, der Fernsehsender 3Sat spricht von Lungenkrebs.

Golschiri stammte aus Isfahan, wo er in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Er arbeitete als Dorfschullehrer, bevor er in Abendkursen Literaturwissenschaft studierte. Als Schriftsteller wurde er Ende der 60er Jahre mit dem Kurzroman "Prinz Ehtedschab" bekannt, der auch in dem Band bei Beck enthalten ist. Er unterrichtete an der Hochschule der Künste in Teheran - bis ihn die islamische Kulturrevolution 1981 seinen Lehrauftrag kostete. So musste sich Golschiri als Redakteur literarischer Zeitschriften und als Autor durchschlagen, obwohl er nur ein Bruchteil seiner Arbeiten im Iran veröffentlichen konnte. Endgültig ins Abseits geriet er, als er 1994 zu den Mitinitiatoren des "Aufrufs der 134" gehörte, der sich für Meinungsfreiheit stark machte.

Doch Golschiri ist vor allem ein erstklassiger Schriftsteller, dessen orientalische Fabulierlust sich mit zeitgenössischen Erzählstrategien verbindet - und dessen Sinn für das Physische politischer Tyrannei von tiefem Verständnis für die Macht des Irrationalen und das Irrationale der Macht begleitet wird.

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