Kultur : Hypnotische Schönheit

Die Namen des Films weckten Erwartungen: der des Regisseurs Benoît Jacquot, dessen letzter Film mit Virginie Ledoyen, "La fille seule", Wucht und Realismus mit Poesie verband.Dann die Hauptdarstellerin Sandrine Kiberlain, deren unkategorisierbare Ausstrahlung in Laetitia Massons "En avoir (ou pas)" Kritiker zu Dichtern mutieren ließ.Und Hauptdarsteller Vincent Lindon, der zuletzt in Pierre Jolivets Kranfahrer-Studie "Fred" eine lange vergessene Note in die Charakterisierung männlicher Helden wieder einführte.Die Zusammenstellung dieser Elemente führt in "Der siebte Himmel" leider zu einem eher lähmenden Ergebnis.Schon in den ersten Einstellungen wirken die Akteure seltsam statisch, was allerdings auch an den Rollen liegt: Mathilde, eine frustrierte junge Arztgattin, die aufgrund eines frühkindlichen Traumas zur Kleptomanin mit Neigung zu Ohnmachtsanfällen geworden ist, sucht Hilfe bei einem Hypnotiseur (Francois Berléand).Oder sucht der Hilfe bei ihr? Wie dem auch sei: Die Heilung gelingt, doch die Pointe des Films ist, daß nun der etwas tumbe Chirurgengatte mit der Entkrampfung seiner Frau nicht fertig wird.Argwöhnisch sucht er den vermeintlichen Nebenbuhler und landet auf dieser Suche ebenfalls beim Hypnotiseur.Hier liegt ein Hauptproblem des Films: Er kann sich nicht auf eine Perspektive festlegen.Die des Mannes? Die der Frau? Die des neutralen Beobachters? Und: Will er eine Dokumentation der Heilungsverfahren der Hypnose sein? Oder sucht er diese Technik eher zu parodieren? Doch die therapeutischen Sitzungen sind in dokumentarischer Langsamkeit ohne parodistische oder aufklärerische Züge gedreht.Jacquot wirkt von der Materie, den Geistern, die er rief, merkwürdig überfordert, seine Darsteller reagieren darauf mit Unsicherheit und tastender Vorsicht, und der Zuschauer hat beim Verlassen des Kinos den zutreffenden Eindruck, daß alle Beteiligten ihm etwas schuldig geblieben sind. siz

Im fsk und den Hackeschen Höfen, beides untertitelte Originalfassung

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