Kultur : Ibiza des Ostens

Jenni Zylka

sucht auf dem Flohmarkt nicht nur nach Musik Musik gibt es auf dem Flohmarkt ja normalerweise als Konserve, als zerkratzte oder überteuerte Vinyl-Rarität oder als ausgeleierte Mischkassette. Um gute Platten gibt es auch mal Gezerre, Friedrichshainer Punk-DJs streiten sich schon mal lautstark um die eine Scheibe, zum Beispiel eine „Das waren die Hits 1979“-Compilation. Längst sind die DJs nicht mehr nur zur Schnäppchenjagd auf den Flohmärkten, und der Erwerb von Ramsch ist auch nur für die wenigsten der Grund für einen Trödelbummel.

Mitten auf dem umtriebigen Flohmarkt am Mauerpark (an der Eberswalder Straße), unweit der Kastanienallee, zwischen Bäumen, Mauern und Klamottenständen, legen allerdings auch echte DJs auf. Mit neuen CDs, die sie eher nicht an den umliegenden Ständen gekauft haben, was bedeutet, dass die letzte loungefreie Bastion damit auch Geschichte ist: Im Schönwetter hängt Jung-, ganz Jung- und Mittelaltvolk sonntags auf Liegestühlen und Bierbänken im angekarrten Sand ab und tut so, als sei es schon oder immer noch zwei Uhr nachts.

Hartgesottene trinken echte Mai Tais, was um diese Zeit auf jeden Fall eine Herausforderung ist, oder lassen sich von einem freundlichen, langsamen Original-Berliner hinterm Tresen und seiner Tochter (Angestellte? Azubi?) – jedenfalls einer freundlichen, langsamen Teenage Sensation falsche Cocktails (viel Zucker, kein Spirit) mischen. Die DJs blubbern im Hintergrund softes Elektrozeug, so eine Art Sonnentechno – schmerz- und belangfrei. Wenn man aber die Augen schließt, dann kommt man sich vor wie auf einem Ibiza, das inmitten eines riesigen Second-Hand-Ladens liegt. Mit anderen Worten: wie im Studentenparadies.

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