Kultur : „Ich bin ein japanischer Regisseur“

Clint Eastwood über seine Begegnung mit Kurosawa, Hörgeräte, den Irak-Krieg und seine beiden Filme über den Fall von Iwo Jima

Andreas Conrad

Das Kino war klein, irgendwo im Los Angeles der fünfziger Jahre, es zeigte nur japanische Filme. Aber einer seiner Stammgäste sollte einmal sehr berühmt werden, gerade auch, wenngleich indirekt, durch einen japanischen Film: Clint Eastwood. „Die sieben Samurai“ hatte er dort zum ersten Mal gesehen, „Rashomon“, auch „Yojimbo“, der erst 1961 entstand. Aber in der kleinen Aufzählung früher Filmeindrücke, die Eastwood gestern auf der Pressekonferenz zu seinem Film „Letters from Iwo Jima“ gab, durfte gerade dieses Werk von Akira Kurosawa nicht fehlen: Wenige Jahre später gab der Samuraifilm die Vorlage ab zu dem Italowestern „Für eine Handvoll Dollar“.

Kurosawa habe er viel später selbst kennengelernt, erzählte Eastwood weiter – in Cannes, wo beide mit einem Film vertreten waren. „Und jetzt“, er grinste, „arbeite ich selbst als japanischer Regisseur, mit japanischen Schauspielern.“ Drei davon hatte er gleich mitgebracht, im Film Verteidiger der Pazifikinsel Iwo Jima, deren Eroberung Eastwood in gleich zwei Filmen erzählt hat: In „Flags of Our Fathers“, schon einige Wochen in den deutschen Kinos, steht das Schicksal dreier US-Soldaten, die von der Militärpropaganda zu Helden hochgejubelt wurden, im Mittelpunkt. Der Berlinale-Beitrag „Letters from Iwo Jima“ dagegen zeigt die Schlacht aus japanischer Perspektive.

Eine Legende konnte man also erleben im Grand Hyatt, viele im Saal sind mit Eastwoods Filmen groß geworden, entsprechend begeistert war er empfangen worden. Das ist er gewohnt, aber er freute sich sichtbar – und kratzte sich fast verlegen an einer Augenbraue, bevor er sich die Kopfhörer für die Synchronübersetzung umhing. „Wie ein Hörgerät“ – diese kleine Spöttelei über sein Alter erlaubte er sich – und er setzte dann die Hörer auch immer brav wieder auf, selbst wenn die Frage auf Englisch gestellt wurde.

Ob es problematisch sei, als Amerikaner einen Film aus japanischer Perspektive zu drehen? „Ich weiß nicht, wie ich das beantworten soll.“ Nein, er hat keine fixen Repliken bereit, redet fast bedächtig, sucht sorgfältig, obwohl die Antwort ja doch schon in ihm liegt. Er habe versucht, sich in die Lage der anderen zu versetzen, habe Bücher gelesen, die Briefe der Soldaten. Aber das sei für ihn nichts Neues. „Auch als Schauspieler macht man das doch immer.“

Dass er zwei Filme über den gleichen Stoff gedreht hat, war für ihn „eigentlich Zufall“. Das Buch, das „Flags of Our Fathers“ zugrundelag, hatte ihn fasziniert, bei den Recherchen stieß er auch auf das japanische Material, die Briefe der Verteidiger. Die Frage nach dem Warum stellt er sich nicht, sieht sich eher „wie Sir Hillary, der einen Berg besteigt und immer weiter steigt“ – eine „Herausforderung“, und die gefällt Eastwood immer, „wenn ich etwas lernen kann“. Seine Filme sieht er nicht als Reaktion auf den Irak-Krieg. „Ich hätte sie auch so gedreht.“ Aber natürlich stelle man jetzt Vergleiche an und sehe dann Parallelen, die Sinnlosigkeit des Krieges, die immer gleich sei.

Das Drehen in japanischer Sprache? Nein, das habe ihm keine Mühe bereitet, es gehe um die Auswirkungen des Krieges auf eine Zivilisation. Sprache ist da für ihn sekundär. Und ohnehin: Er habe doch auch schon in italienischen Filmen gespielt, bei denen es auf dem Set viele Sprachen gab: Für eine Handvoll Dollar.

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