Kultur : Ich bin meine eigene Trommel Breakdance aus Israel: Sheketak im Tipi

Knud KohrD D

Ganz zu Beginn steht ein muskelbepackter Glatzkopf allein auf der Bühne. Er versucht eine imaginäre Mücke zu erschlagen, die ihn umkreist. Es wird der einzige ruhige Moment des Abends bleiben. Binnen einer Minute ist der Glatzkopf von zwei männlichen und drei weiblichen Kollegen umstellt, und die Mückenjagd steigert sich zu einer furiosen Bodypercussion. Ab jetzt gibt es anderthalb Stunden lang nur noch Vollgas von der israelischen Tanzcompany „Sheketak“, die mit ihrem Programm „Rhythm in Motion“ durchs Tipi am Kanzleramt tobt. Hip-Hop und Freestyle sieht man auf der Bühne neben Formationstanz und Step, der Boden wird mit Drumsticks ebenso malträtiert wie die von der Decke hängenden Töpfe, Videoclips flimmern über eine Leinwand, dahinter werden Schattenspiele aufgeführt.

Die Gruppe, die dieses Spektakel produziert, gibt es seit 1997. Damals trafen sich die Tänzer Danny Rachom (der Glatzkopf) und Zahi Patish, Breakdancer, die eine klassische Ausbildung in den USA durchlaufen hatten. Ihr Konzept aus Tanz, Comedy, Livemusik wurde schnell zum Erfolg und führte die Truppe auf Tourneen durch Europa, USA und Asien. „Rhythm in Motion“, deutlich größer produziert, ist seit 2003 unterwegs.

Auch auf der Bühne sind Rachom die Chefs, ihre ironisch zelebrierte Rivalität trägt in der ersten Hälfte von Nummer zu Nummer. Die Kollegen werden nur dazugebeten. Das ist schade, denn in den kurzen Soli zeigt sich ein großes Repertoire von Modern Dance bis Bauchtanz. Gerne würde man mehr davon sehen. In der zweiten Hälfte wird auch diese minimale Dramaturgie aufgegeben: Die Lichtshow flirrt, die Videoclips zucken, die dreiköpfige Band macht Druck, und am Ende hat man tatsächlich die Hände in der Luft und ruft nach Patishs Anweisungen „Hey-Ho!“. Dann ist es vorbei. Langsam merkt man, dass man fast genauso durchgeschwitzt ist wie die Tänzer. Technisch ist der Abend fulminant, aber eine Geschichte erzählt er nicht. Auf dem Heimweg fühlt man sich ein bisschen so, als käme man gerade von einem Scooter-Konzert. Knud Kohr



Tipi am Kanzleramt, 26.–18. Juni, 7.–27. Juli, Di–Sa 20, So 19 Uhr.

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