Kultur : „Ich erwarte für mich selber keine Rente“ TOBEY WILSON (28)

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In meinem Umfeld sagen viele: Ich kann mir keine Kinder leisten. Das finde ich sehr tragisch. Die Entwicklung ist doch schon lange, lange abzusehen, eigentlich schon seit der Wende. Man wusste: Im Osten wird alles immer leerer, und die Lebenshaltungskosten explodieren. Mein kleiner Bruder verdient 900 Euro und macht zwei Jobs. Wovon sollte der noch Kinder unterhalten?

Ich erwarte für mich selber keine Rente, außer vielleicht einen Mindestsatz. Auch deshalb bin ich froh, dass ich selbstständig bin. Wenn ich sehe, wie viel Geld Angestellte da hineinzahlen, was sie am Ende überhaupt nicht mehr rauskriegen, macht es doch viel mehr Sinn, privat vorzusorgen. Meine Mutter zum Beispiel bekommt nicht einen Bruchteil von dem heraus, was sie eingezahlt hat. Der Staat müsste es den Jungen ermöglichen, gleich privat vorsorgen zu dürfen, statt in die vielen Systeme einzuzahlen. Ich werde in Unternehmen investieren, die Produkte für Senioren herstellen. Unser Rentensystem ist völlig überholt. Das kommt noch aus einer Zeit, als die Leute früh starben. Eine Lösung sehe ich aber auch nicht. Wenn man das Rentenalter erhöht, nimmt man den Jungen die Jobs weg, das ist auch nicht fair. Da ich selbstständig bin, tangiert mich das alles nicht so. Das empfinde ich wirklich als Glück. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich jung bin, dass mich diese Diskussion nicht so berührt.

Was die Lust auf Kinder betrifft, würde ich mir wünschen, dass mal wieder eine Gegenwelle einsetzt. Das wird auch passieren. Ansonsten müssen wir einfach Familien mit vielen Kindern aus anderen Ländern importieren. In China ist es ja noch schrecklicher. Ich habe mal gehört, dass es dort aufgrund der Bevölkerungspolitik viel zu wenige Frauen gibt.

BERUF

Tenor

LEBT IN

Karlsruhe

FAMILIE

Ein Bruder, ledig,

keine Kinder

RENTENEINTRITT

Ich sterbe singend

auf der Bühne

ALTERSVORSORGE

Private Ersparnisse

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