Kultur : Ich lieb’ dich

Glück I: Das surreale Melodram „Emmas Glück“

Julian Hanich

Sie: Schweinezüchterin. Er: Gebrauchtwagenhändler. Sie: hoch verschuldet. Er: krebskrank. Sie: Single. Er: auch. Max & Emma: zwei einsame, leidgeplagte Seelen. Das kann nie und nimmer so bleiben.

Und, wer sagt’s denn, schon stiehlt Max seinem Chef einen Batzen Geld und baut auf der Flucht einen Autounfall. Schon bricht er durch die Leitplanke, geht vor Emmas Füßen sowie ihrem Bauernhof nieder und legt ihr ungewollt das dringend benötigte Geld in den Schoß. Und schon sind die zwei ein Paar.

Na ja, ganz so schnell geht’s natürlich nicht. Denn Emma ist widerborstig – ihr Vorname gemahnt an Jane Austen, an Flaubert, an Alice Schwarzer . . . Und Max hätte auch lieber auf einer sonnenüberfluteten Insel den Countdown seines Lebens gezählt. Jetzt plagt er sich mit drei Säuen, 17 Ferkeln und einer Bäuerin herum – wobei Emma es mit ihren fettigen Haaren und dreckigen Fingernägeln in Sachen Schmutz durchaus mit ihren geliebten Vierbeinern aufnehmen kann.

Und sonst? Ein einfältiger Dorfpolizist (Hinnerk Schönemann) kutschiert dauernd seine alte Schachtel von Mutter im Dienstauto umher und kommt deshalb bei seiner angebeteten Emma nicht recht an. Maxens Chef (Martin Feifel) macht sich auf die Suche nach seinem Geld und landet hinter Emmas schwedischen Kellergardinen. Und Emma selber schwingt sich gelegentlich auf ihr Moped, um der Vibration des Motors den einen oder auch anderen Höhepunkt abzugewinnen.

Mit anderen Worten: Die Handlung von „Emmas Glück“ (nach dem Roman von Claudia Schreiber) darf, freundlich gesagt, als skurril bezeichnet werden – wobei Regisseur Sven Taddicken („Mein Freund, der Vampir“), heftig an der Beweisführung arbeitet, bloß keine realistische Geschichte zu erzählen. Bleiben die Hauptdarsteller. Jördis Triebel zeigt in ihrem Kino-Debüt immerhin, dass sie das Talent hat, sich von Emma zu emanzipieren. Und Jürgen Vogel zieht seine Rolle wieder voll jürgenvogelmäßig durch: also ziemlich okay.

Cinema Paris, Cinemaxx Potsdamer Platz, FT Friedrichshain, Hackesche Höfe, Kant, Kulturbrauerei, Passage

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