Kultur : Ich und mein Zwilling

-

Zwillinge faszinieren, sind Blickfang,

denn sie rühren an das Geheimnis des Lebens. Sind wir wirklich so einmalig, wie wir gerne annehmen? Aus welchen Bausteinen bestehen wir? Der ungarische Fotograf Imre Benkö hat über 25 Jahre Zwillingspaare porträtiert. Der international gefragte Pressefotograf – 1975 und 1978 ausgezeichnet mit der Goldmedaille von World Press Photo, 1991 mit dem Pulitzer-Preis – hat sich einen Namen gemacht mit seinen

Beobachtungen der Veränderungen im Osten. Sie sind geprägt von einem harten Realismus, wie etwa die Langzeitstudie der nordungarischen Industriestadt Odz und ihres Niedergangs.

Auch die Serie seiner Zwillingsporträts, aus der wir auf den folgenden Seiten anlässlich der Leipziger Buchmesse Beispiele zeigen und die im Rahmen des Kulturjahrs Ungarischer Akzent im Berliner Collegium Hungaricum (Karl-Liebknecht-Str. 9, bis 4. April) zu sehen ist, gleicht eher einem Bericht über das Leben in einem osteuropäischen Land und wie es sich in die Gesichter der Menschen – zwiefach – eingeschrieben hat. Die Verdoppelung des Konterfeis schärft Details, den meist müde-resignativen Blick selbst junger Zwillingspaare, den Haarschnitt, die Kleiderwahl. Benkö ist nur auf den ersten Blick Dokumentarist, denn er setzt gezielt den Verstärkungseffekt der Duplizität ein, in Haltung, Blickrichtung, Gestik. Die Orte scheinen zufällig gewählt – Wohnzimmer, Strand, Hinterhof – und sind doch auch inszeniert. Bühnen des Lebens . Der Zwilling des Lebens ist nicht zuletzt: die Literatur. NK

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben