Kultur : Ideal-Gitarrist F. J. Krüger gestorben

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Der Gitarrist Frank Jürgen Krüger ist tot. Das ehemalige Mitglied der Berliner Band Ideal starb am Donnerstag Nachmittag in einem Berliner Krankenhaus im Alter von 58 Jahren an Krebs, wie aus dem Freundeskreis des Musikers bekannt wurde. Mit seinen schroffen und schnörkellosen Gitarrenriffs hat sich „Eff Jott“ Krüger in die deutsche Musikgeschichte gespielt. Als Ideal 1980 mit Songs wie „Berlin“, „Blaue Augen“ und „Rote Liebe“ die Hitparade stürmte und so die Neue Deutsche Welle lostrat, prägte der Stilist an den Saiten den harten Westberliner Sound. Dabei kam der plötzliche Erfolg für den versierten Techniker reichlich spät. Jahrelang war der studierte Maschinenbauingenieur mit den X-Pectors durch die Szeneclubs der Mauerstadt getingelt. Seine Liebe gehörte den Klassikern des Blues und Jazz, deren Phrasierungen er akribisch studierte. Doch erst, als er sich mit der Ex-Sängerin der Neonbabies, Annette Humpe, zusammentat und sie in ihrer Musik Gefühl und Härte miteinander verbanden, kam der Durchbruch. Vom Debütalbum verkaufte das Quartett eine Million Stück. Das Geld zur Einspielung der ersten Single „Wir stehn auf Berlin“ hatte sich Krüger von seiner Tante geliehen. Nach Außen verkörperte der Mann mit der hohen Stirn den abgeklärten Geschäftsmann. Und tatsächlich soll er die finanziellen Belange der Band bis zu ihrer Auflösung 1983 geregelt haben.

Einen Teil seiner Tantiemen investierte der Autonarr später ins Sammeln und Reparieren von Oldtimern. Seine Kollektion soll zeitweilig 50 Wagen umfasst haben. Neben gelegentlichen Produktionsjobs (für die Lassie Singers) arbeitete er zuletzt als Berater für Filmproduktionen, denen er historische Autos vermittelte. Kleinere Rollen – zum Beispiel als Fahrer von Kenneth Branagh in dem Doku-Drama „Conspiracy“ – fielen dabei auch immer wieder ab. Ein Auto verkaufte er nie. Den Mercedes 180 Kombi, mit dem sich Ideal oft fotografieren ließen. „Das ist mein Sarg“, sagte er. KM

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