Kultur : Ideen sind alles

Der Konzeptkünstler Sol LeWitt ist tot

Christiane Meixner

So wenig wie nötig, so klar wie möglich: Für Sol LeWitt war Kunst nur Kunst, wenn sie weder eine Handschrift noch große Gesten zelebrierte. 1967 hat der US-amerikanische Künstler in der theoretischen Abhandlung „Paragraphs on Conceptual Art“ nicht nur seine eigenen Schaffensregeln notiert, sondern gleich einer ganzen Richtung das notwendige Gerüst gegeben – der Konzeptkunst.

LeWitt, der am 8. April im Alter von 78 Jahren in Connecticut gestorben ist, gilt als ihr Begründer. Von der ohnehin schon kargen Minimal Art inspiriert, schrumpfte er deren Formenvokabular noch weiter auf Linie, Quadrat und Kubus. Eine Reduktion mit weitreichenden Folgen, waren doch die nächsten Jahrzehnte der Avantgarde-Kunst von einem seiner grundsätzlichen Gedanken geprägt: dass nämlich die stringente Idee einer Arbeit weit über ihrer sinnlichen Erfahrbarkeit steht. Schönheit im Sinne der Ästhetik bedeutete bloß noch die angemessene Sichtbarmachung eines logischen Konzepts.

Was dies – nicht bloß – für LeWitts Kunst hieß, war in den folgenden Jahrzehnten in international wichtigen Institutionen wie dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York oder der Londoner Tate Gallery zu sehen. Charakteristisch sind die frühen Zeichnungen feiner Gitterstrukturen, zu denen sich bald räumliche Objekte aus weiß lackiertem Holz oder Metall gesellten. Sie alle modulieren eine feste geometrische Form zum beliebig vergrößerbaren Raster, das Le Witts zentralen Gedanke in der Realität anschaulich werden lässt: „Die Idee wird zur Maschine, die Kunst macht.“ Tatsächlich wurden seine perfekten Skulpturen später häufig von Assistenten realisiert – Le Witt legte selbst wenig Wert auf die handwerkliche Umsetzung seiner Ideen.

In den späten sechziger Jahren schuf der Künstler parallel dazu Wandzeichnungen und Druckgrafiken. Auch hier beschränkte er sich auf die Farben Rot, Gelb, Blau oder Schwarz und schuf daraus immer wieder Quadrate und ihre räumliche Variante, den Kubus.

Mit dieser konsequenten Reduktion beeinflusste Le Witt nicht nur die künstlerische Produktion einer ganzen Generation von Künstlern in den USA und ebenso in Europa. Ihre Suche nach den objektivierbaren Kriterien für die Qualität von zeitgenössischer Kunst war schließlich auch verantwortlich für den großen Backlash der Malerei: Nach mehreren Jahren der Vorherrschaft abstrakter Konzeptkunst drängte Anfang der achtziger Jahre die Malerei plötzlich mit Verve und großen Gesten wieder in den Vordergrund.

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