Kultur : Identitätssuche

ECKART SCHWINGER

Kreizberg Tzvi Avnis und Habib Hassan Touma bei musica reanimataVON ECKART SCHWINGERZu Beginn des Jahres wurde in der Philharmonie vom Weltorchester der Jeunesses Musicales unter Kreizberg Tzvi Avnis Orchesterwerk "Wünschet Jerusalem Frieden" anläßlich des 5O.Jubiläums der Staatsgründung Israels aus der Taufe gehoben.Nun saßen Avni (geb.1927) und Habib Hassan Touma (geb.1934) im Musikclub des Schauspielhauses - und beide erzählten in einer Veranstaltung von musica reanimata unter dem Thema "Israel - Schmelztiegel der Musikkulturen" im Gespräch mit Habakuk Traber von der Arbeit, den Problemen, den Zwängen und Hoffnungen der Komponisten in Israel. Daß sich an diesem Abend Avni und Touma nach vierzig Jahren, nämlich seit dem Studium in Israel, erstmals wieder trafen, sagt einiges über die wundersamen Wege dieser Komponisten. Da war unter anderem zu hören, welch vielfältigen Strömungen die Komponisten in diesem Einwanderungsland par exzellence unterworfen sind, welche Einflüsse von Wegbereitern wie Paul Ben-Haim und Ödon Partos ausgingen und welch schwierige Rolle für jeden einzelnen Komponisten in Israel schließlich noch immer die Identitätssuche spielt.Aber auch die widerstreitenden Wege zwischen zwischen Tradition und Weltoffenheit wurden erörtert, Fragen der Verwurzelung in altjüdischen oder arabischen Klangwelten, Fragen verschiedenster Techniken wie zum Beispiel der von einem Grundton ausgehenden Maqam-Technik der arabischen Musik. Am eindringlichsten wirkten freilich die klingenden Beispiele selbst, die elementare wie meditative Gedenkmusik für die Opfer des zweiten Weltkriegs "Yiskor" (1946) für Viola und Klavier von Ödon Partos oder die vielfarbige und vielschichtige Sonatine für Klavier (1946) von Paul Ben-Haim mit der aufsässigen Toccata am Schluß.Die Klavierkomposition "Taqsim" (1966) von dem arabischen Komponisten und Ethnologen Habib Hassan Touma beunruhigte in dem subtilen Spannungsreichtum, der anspringenden Prägnanz, dem für uns ganz ungewöhnlichen Zeitgefühl und dramaturgischen Aufbau.Ein schon ganz ureigenes israelisches und zugleich avantgardistisches Musikdenken eignet Tzvi Avni. Seine fünf Liebeslieder "Love under a different sun" (1982) erwiesen sich fast als kleine imaginäre Folkloreszenen von inspirierender Frische, von vibrierend feinen, fremdländischen Klangschattierungen und einer geradezu vitalen Lust an dramatischen Wirkungen .Unter anderen setzten sich Ulrike Stöve (Sopran) und Cecilia Pillado (Klavier) mit Strahlkraft und Mobilität für diese eigentümlichen wie phantasievollen Kompositionen ein.

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