Kultur : Hinterm Graben< i>

Bernhard Schulz besucht das Richtfest des BND

Mit Bedacht gewählt ist der lange Weg, den die Gäste beim Richtfest des Bundesnachrichtendienstes zurückzulegen haben. Da bekommt man en passant ein Gefühl für die Dimensionen des Neubaus. Als „größte zusammenhängende Einzelbaumaßnahme in der Geschichte der Bundesrepublik“ annonciert, häufen sich in den Feierreden nur so die Rekorde. 815 Millionen Euro teuer, 10 Hektar Grund, im Inneren 35 Fußballfelder groß, mit 14 000 Fenstern versehen – und Bundesbaustaatssekretär Enak Ferlemann sagt tatsächlich, „die Gebäudegruppe“ passe sich „gut in die Stadtstruktur ein“. Das macht neugierig: Eine Stadtstruktur haben wir in dieser Gegend am ehemaligen Mauerstreifen nicht in Erinnerung. Vielmehr drückt der gigantische Neubau dem jahrzehntelang in einem Zipfel der DDR-Hauptstadt vergessenen Mitte-Kiez eine Struktur auf, die das Reichsluftfahrtministerium an der Wilhelmstraße wie eine stadtverträgliche Lückenschließung erscheinen lässt. Durch Zaun, Sicherheitsabstand und Graben abgeschirmt, wird der BND ein Solitär bleiben, bewacht von ganzen Batterien an Kameras und Infrarotstrahlern.

Öffentlicher und zugleich verschlossener wird kein Gebäude der Bundeshauptstadt sein. Immerhin wird im Inneren künftig geredet werden, denn, wie BND-Chef Uhrlau am Donnerstag sagt, man müsse „auch in den eigenen Reihen intensiver und effizienter kooperieren“. Ein sympathisches Eingeständnis. Aber was geschieht nach draußen?

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