Kultur : Ilija Trojanow: Europa fällt zurück in Nationalismus

Der Schriftsteller Ilija Trojanow („Der Weltensammler“, „Eistau“) sieht den Kapitalismus am Scheideweg. Die Eurokrise sei ein Zeichen dafür, dass das Wirtschaftssystem mit seinem Wachstumswahn und seiner Zerstörungswut an Grenzen gestoßen sei. Der 46-Jährige stellt die Frage, ob Schulden bei Banken bedient werden müssten, die bewusst hohe Risiken eingegangen seien. Er konstatiert zudem einen Rückfall in den Nationalismus: „In Deutschland wird so getan, als ob vor allem die Deutschen die Rechnung zahlen müssten, dabei waren sie die großen Nutznießer der Euro-Zone.“ Bei seinen Lesungen erfahre er eine wachsende Wut gegen den Geist der Unvernunft, sagte Trojanow. Die Occupy-Bewegung sei ein erster Schritt, Widerstand zu leisten: „Es ist infam, wenn Politiker davon sprechen, das man dem ,Druck der Straße’ nicht nachgeben soll. Öffentlicher Protest ist die Wiedereinführung demokratischer Rechte!“ Europa nennt Trojanow eine Festung, die sich Flüchtlingen verschließe. Aber für viele sei es ohnehin nicht mehr das Gelobte Land. „Die Gebildeten in Indien ziehen es vor, in den USA, Kanada oder Australien eine Zukunft zu suchen.“ dpa

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