Kultur : Im Abendwind

ECKART SCHWINGER

Auch wenn sie im Sommerlook stecken und im Podewil-Hof auftreten, ist von Hemdsärmeligkeit nichts zu spüren. Das Vogler Quartett läßt sich seinen ernstenMusizierstil so schnell nicht nehmen. Es sei denn, es steht ein sarkastisches Werklein auf dem Programm wie Hindemiths Parodie "Minimax". Er hat es spaßiger Weise als Repertorium für Militärorchester bezeichnet. Was an schrägen Akkorden, kauzigen Akzenten im Armeemarsch "Der Hohenfürstenberger" oder an schmalziger Salonmusik in der Ouvertüre zu "Wasserdichter und Vogelbauer" steckt, wurde von den Vogler-Leuten zum Gaudi des Publikums so amüsant wie spritzig zutage gefördert. Mendelssohns 1. Streichquartett Es-Dur op 12 verwehte zunächst etwas der Abendwind. Aber bereits die volkstümliche Canzonetta stieg ungefährdet federleicht in den Abendhimmel. Die Stufungen des Poesievollen, typische "Sommernachtstraum"-Atmosphäre war mit Händen zu greifen. Vor dem Brahms-Klarinettenquintett schien es, als wollte das Wetter nicht mehr mitspielen. Aber Petrus erwies sich als Brahms-Freund. Er dürfte die Ohren gespitzt haben, so piekfein musizierten Ib Hausmann und das Vogler Quartett diesen späten Brahms - beinahe mozartisch biegsam, mit einer schöneren Pianissimo-Schattierung nach der anderen und kontrastreichen Überraschungsmomenten. Vor einiger Zeit spielten es J. E. Lluna und das Brodsky-Quartett im Konzerthaus. Da gab elegische Edelschwelgerei den Ton an. Ib Hausmann, der durch die Leichtigkeit seines Klarinettenspiels, durch flüssige Phrasierung und süffigen Ton für sich einnahm, servierte seinen Brahms mit besonderem Gespür für den poetischen Figurenreichtum. Wobei auf das Adagio ein seidig schimmerndes Licht fiel, überhaupt der Facettenreichtum in allen fünf Instrumenten bewundernswert zum Tragen kam.

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