Kultur : Im Brachland

Adam Johnson beschwört eine düstere Zukunft

Wiebke Porombka

Wüst und leer muten die Szenerien an, die der 1967 in South Dakota geborene und an der Stanford University Creative Writing unterrichtende Adam Johnson entwirft. Ob ein Ehepaar auf einem Parkplatz inmitten eines brachliegenden Gewerbegebiets sitzt und nicht mehr daran glaubt, dass noch einmal ein Kunde in ihrem Verleih für schusssichere Westen vorbeikommt, ob eine Familie sich zwischen ausrangierten Glücksspielautomaten eingerichtet hat oder eine Forschergruppe in der Tundra friert – die neun Erzählungen von „Emporium“ sind in einer unwirtlichen Stille nach einer nicht näher erklärten Katastrophe angesiedelt. Johnsons Figuren leben in einer Mischung aus Militärdiktatur und futuristischem Überwachungsstaat.

Nicht ohne Grund mag „Teen Sniper“ am Anfang stehen. In dieser Erzählung um einen 15-jährigen Scharfschützen, dessen Treffsicherheit etwas Genialisches hat, werden die Grundkomponenten von Johnsons Erzählungen entfaltet. Der Erzähler, der gerade einen pakistanischen Erpresser im Bürogebäude von HP im Visier hat, ist von klein auf zu Schießwettbewerben gezerrt worden. Nun ist er eine Killermaschine, mit dem Schönheitsfehler, dass er, wenn er durchs Zielfernrohr schaut, Empathie für sein Opfer empfindet, „so als ob wir alte Freunde wären und ich seine Seele sehen könnte.“ Dass der Junge seine Mittagspausen beim Drive-in plaudernd mit einem Roboter verbringt, gilt hier als normal.

Bemerkenswerterweise ist diejenige Erzählung die stimmigste, in der Johnson auf sein technikkritisches Beiwerk verzichtet und sich darauf konzentriert, von den Versuchen eines jungen Mannes zu erzählen, Nähe zu finden. Am Ende bleibt, auf der Rampe seines Kleinlasters, ein bisschen Sex mit einer dem Alkohol verfallenen Frau, die seine Mutter sein könnte. Gerade weil Johnson darum bemüht scheint, seine Ich-Erzähler möglichst heterogen zu gestalten – der übergewichtige Nerd ist ebenso darunter wie das attraktive Mädchen – und immer wieder obskure Szenerien zu erfinden, ist seine Sprache von erschreckender Eintönigkeit. Man könnte „Emporium“ für die Verifizierung der eigenen Prämisse halten: dass bei fortschreitender Technisierung die Sinnlichkeit auf der Strecke bleibt. Das wäre freilich nicht nur ein fataler Beweis, sondern auch ein ermüdender. Wiebke Porombka

Adam Johnson:

Emporium. Storys. Aus dem Englischen von Peter Torberg, Liebeskind, München 2011. 288 Seiten, 18,90 €.

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