Kultur : Im "Charlottenburger Mosaik" zu Hause

Freunde und Weggefährten von Alice Samter werden sich am heutigen Donnerstag im Clubraum der Akademie der Künste versammeln, um den 90.Geburtstag der Berliner Komponistin musikalisch zu begehen.Wie ein Blick in ihr Werkverzeichnis rein äußerlich zeigt, ist sie als Aphoristikerin unter den Schöpfern zeitgenössischer Musik zu bezeichnen: die meisten ihrer Stücke dauern nur wenige Minuten, während sie im Zeitraum von deren zehn bis zwölf schon ganze Zyklen unterbringt, Chöre nach Christian Morgenstern etwa oder Berlin-Lieder nach Aldona Gustas, Großstadtlyrik."Drei Tanzminiaturen", "Drei Aphorismen", "Mini-Trilogie" etwa lauten die Titel, die, instrumentaltypisch und dabei nicht ohne Überraschungen mit Klarinette und Klavier oder Violine spielend, für Samters Werk bezeichnend sind.Sie besitzt die Fähigkeit, sich in der kleinen Form nicht nur auszudrücken, sondern kompositorisch zu verwirklichen.

Alice Samter hat an der Musikhochschule ihrer Heimatstadt Berlin studiert und bis 1970 als Schulmusikerzieherin und Studienrätin an Berliner Gymnasien gewirkt, bevor sie sich freischaffend allein ihrer Komponierlust widmen konnte.Die war früh in ihr erwacht.Aber bis 1945 gab es für sie keine Möglichkeit, an die Öffentlichkeit zu treten.Dann jedoch hat sie sich in Arbeitskreisen engagiert und für die komponierende Frau, die es in ihrer Generation noch schwer hatte mit der Kunst, sich durchzusetzen, manche Lanze gebrochen.Obwohl es Alice Samter auch gelungen ist, sich überregional einen Namen zu machen, bleibt sie Berliner Komponistin durch und durch: konkret umschreibt ihren Standort das "Charlottenburger Mosaik". S.M.

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