Kultur : Im Damenklo

FILM

Susanna Nieder

Steve Martin könnte ein großartiger Schauspieler sein, wenn er nicht immer so herum hampeln würde. In Haus über Kopf spielt er den Rechtsanwalt Peter Sanderson, dem der Teufel in Gestalt der entsprungenen Zuchthäuslerin Charlene (Queen Latifah) im Nacken sitzt. Sie will ihn zwingen, ihren Fall neu aufzurollen. Alles ist erlaubt, wenn es das Publikum zum Lachen bringt. Dabei bewegt sich Martins Bandbreite wie immer zwischen überzogenem Slapstick und ruhigen Szenen, in denen er zeigt, wie komisch er sein kann, wenn er sich aufs Understatement verlegt. Aber bekanntlich haut er lieber aufs Blech und Queen Latifah gleich mit, da lässt Regisseur Adam Shankman („Familie Feuerstein“) ihnen freie Hand. Sanderson und Charlene einigen sich auf einen Deal – sie spielt die schwarze Haushälterin, damit er eine erzkonservative Klientin bei der Stange halten kann, dafür hilft er ihr, ihre Unschuld zu beweisen. Das Spiel mit Klischees und Vorurteilen Weißer gegen Schwarze ist erwartungsgemäß nicht sehr subtil, aber hin und wieder sind echte Lacher drin.

Mit der Rolle der Charlene, die mehr Street Credibility im kleinen Finger hat als Sanderson unterm ganzen Armani-Anzug, tritt Queen Latifah die Nachfolge von Whoopi Goldberg als Hollywoods schwarze Ulknudel an. Zwar kommt sie nicht so königlich daher wie als Mama Morton in „Chicago“, aber es müsste schon einiges passieren, damit sie nicht sehenswert wäre. Die Frauen-Catchszene im Damenklo ist zwar jenseits aller Geschmacksgrenzen, aber Schmarren gehört zum Genre (in 22 Berliner Kinos, OV im Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Sony-Center und Odeon).

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