Kultur : Im Dienste seiner Majestäten

Die Berliner Gemäldegalerie zeigt Werke des preußischen Hofmalers Antoine Pesne

Nicola Kuhn

Verschmitzt schaut die kleine Schönheit den Betrachter an, Grübchen prägen sich in die runden Wangen, das Kinn ist charmant zur Seite gedreht. So mancher würde gerne mit dem Mops tauschen, den die junge Dame an sich schmiegt und der seine tapsige Pfote in ihr üppiges Dekolleté setzt – so lebensvoll erscheint Marie de Rège in dem Bild, das ihr Vater Antoine Pesne 1737 von ihr malte. Damals trug sie noch ihren Mädchennamen, denn für eine Offiziersgattin war diese Pose zu kokett. Pesne war zu dem Zeitpunkt bereits ein Vierteljahrhundert als Hofmaler im Dienste der preußischen Könige und sollte es zwei weitere Jahrzehnte bleiben.

Im liebreizenden Bildnis seiner Tochter vereinen sich die Eigenschaften, für die er am Hofe über drei Herrschergenerationen hinweg – bei Friedrich I., der ihn 1711 geholt hatte, und dessen Nachfolgern Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große – geschätzt wurde: Pesne verband die leichte französische Malerei mit dem erdigen Kolorit und Helldunkel, das die Holländer nach Brandenburg importiert hatten. Der samtige niederländische Ton, die kühle Sachlichkeit Preußens und die französische Delikatesse addierten sich bei ihm zum friderizianischen Rokoko, das Preußen nicht nur in der Malerei als Kulturland berühmt machen sollte.

Der ungeheuer fleißige Pesne war einer seiner wichtigsten Künder mit all seinen Herrscherporträts, Historienbildern und Genreszenen. Sein letzter Auftraggeber, Friedrich der Große, dankte es ihm mit der Schenkung von Baugrund unweit der Friedrichwerderschen Kirche, wo sich der Maler ein Atelier-Haus errichten ließ. Hier schuf er als bereits 71-Jähriger das großformatige Selbstbildnis vor Staffelei mit seinen Töchtern Henriette Joyard und Marie de Rège. Es entstand drei Jahre vor seinem Tod 1757 und zeigt ihn auf der Höhe seiner Kunst. Lässig-elegant im braunen Samtanzug gekleidet, blickt er von der Arbeit auf; die beiden Töchter umstehen ihn, als wären sie zwei Musen. Wie zufällig liegen Ovids „Metamorphosen“ und ein Gipsabguss des Hauptes vom Belvedere-Apollo auf einem Beistelltisch. Auch wenn das Bild den Künstler in privater Umgebung zeigt, so repräsentiert er doch offensichtlich. Selbstbewusst nimmt es der Maler mit all den Majestäten und Feldmarschällen auf, die er im Laufe seine 47 Dienstjahre am preußischen Hofe portätiert hatte.

Siebzehn seiner Werke haben Eingang in die Sammlung der Berliner Gemäldegalerie gefunden. Ihnen ist nun in der Studiengalerie des Hauses eine kleine Ausstellung gewidmet – nicht allein aus Wertschätzung für den großen Franzosen und zugleich großen Berliner, sondern als Vorspiel zu einem ganzen Ausstellungszyklus zur französischen Malerei des 18. Jahrhunderts. Den Anlass dafür bildet die Unterzeichnung des Deutsch-Französischen Kulturvertrages vor vierzig Jahren. Ob auch bei dieser Gelegenheit mit preußischer Kühle und französischer Delikatesse wie in der Malerei Antoine Pesnes bleibt dahin gestellt.

Gemäldegalerie, Matthäikirchplatz, bis 31. Mai; Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr. Katalog 11 Euro.

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