Kultur : Im Dutzend besser

Auf nach Berlin: Zdenek Felix verlässt Hamburgs Deichtorhallen

Isabelle Hofmann

Seine Eröffnungsreden waren immer zu lang, aber das sah man ihm gerne nach. Nicht allein wegen seiner warmherzigen Ausstrahlung und des charmanten Akzents, der ihn als gebürtigen Tschechen ausweist. Der 65-jährige Zdenek Felix sorgte als Gründungsdirektor der Deichtorhallen dafür, dass Hamburg als Kunststadt 12 Jahre lang up to date war, manchmal sogar Avantgarde. 1991 startete er mit einer großen Hanne-Darboven-Schau, zum Abschied zeigt er nun Werner Büttner. Anfang und Ende seiner Ära markieren also zwei bedeutende Hamburger Künstler. Eine noble Geste an die Stadt, von der er nie ein angemessenes Echo bekam, schon gar nicht unter der neuen Kultursenatorin Dana Horáková. „Manchmal denke ich, dass die Deichtorhallen auswärts auf eine größere Resonanz stoßen als in Hamburg“, so Felix resigniert im Rückblick.

Wenn auch die Besucherzahlen mitunter zu wünschen übrig ließen, die 85 Einzel- und Gruppen-Präsentationen, die der Ausstellungsmacher in zwölf Jahren auf die Beine stellte, machten die Deichtorhallen zu einem der international bedeutendsten Zentren zeitgenössischer Kunst. Matthew Barney, Louise Bourgeois, Jasper Johns, Ilja Kabakov, Agnes Martin, Bruce Nauman, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Cindy Sherman und Jeff Wall – die nach einem Ranking der Zeitschrift „Artnews“ zehn besten lebenden Künstler wurden hier gezeigt, zum großen Teil mehrfach: Dem Tschechen wird ein ausgeprägtes Gespür für Trends und Qualität nachgesagt.

Mit Felix endet am 31. August mehr als eine Ära – nach ihm wird es die Deichtorhallen in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. In der südlichen Halle errichtet der Fotograf und Sammler F.C. Gundlach sein „Haus der Fotografie“, für die nördlichen Hallen wurde ein viel versprechender Nachfolger gefunden: Der 46-jährige Österreicher Robert Fleck, Kunsthistoriker, Kurator, Publizist und derzeit Leiter der Kunsthochschule in Nantes, gilt als profunder Kenner zeitgenössischer Kunst. Ein Hoffnungsschimmer für all diejenigen, die, wie der Maler Franz Ackermann, in der Umwidmung der Hallen schon die „sehr sauber kaschierte Abwicklung“ der Hamburger Kultursenatorin Dana Horáková sehen.

Felix zieht es indes nach Berlin, wo er künftig als freier Kurator und Autor „noch ein bisschen in der Szene mitmischen will“. An Hamburg wird er „das viele Wasser“ vermissen; das wache kulturelle Klima an der Spree macht ihm den Wechsel jedoch leichter: „Es ist tatsächlich so, dass in Hamburg in der letzten Zeit eine Tendenz zu Eventkultur besteht. Eine Kultur, die, wie es mir scheint, wenig Verständnis hat für die kulturelle Basisarbeit. Das Ferment der Beunruhigung, Provokation und Verunsicherung der Underground-Kultur wird nicht gefördert, wird nicht einmal geduldet. Diese Unduldsamkeit nimmt der kulturellen Szene etwas von seiner Lebendigkeit.“ In Berlin, so Felix, sei das ganz anders. „Die Stadt ist viel weniger vermögend, bietet aber sehr viel für die junge Szene, die sich dort prächtig entfalten kann.“

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