Kultur : Im Eifer des Gefechts

KLASSIK

Jens Hinrichsen

Muss ein Streichtrio magerer klingen als ein Streichquartett? Nein, auch ohne zweite Violine vermag satztechnische Raffinesse das klangliche Handicap auszugleichen. Dennoch wählte Mozart diese Besetzung nur einmal, 1788 im Divertimento in Es-Dur. Wenige Jahre später orientierte sich Beethoven mit seinem ersten Streichtrio op.3 deutlich an diesem Vorbild. Mit einem druckvollen Dreiklang, der in einem aufstrebenden Motiv ausschwingt, beginnt Beethovens Stück.

Dem Jacques-Thibaud-Trio , zu Gast im Musikinstrumenten-Museum , liegen solche schroffen Momente. Weniger lässt man sich dagegen darauf ein, Beethovens Lyrismen zart auszuleuchten. Nur im Adagio atmen die Musiker miteinander und finden zu leiseren, warmherzigen Nuancen. Manchmal überzieht der Geiger Burkhard Maiß seine führende Rolle, spielt mit Überdruck. Mitunter werden Philip Douviers kantabler geführte Bratsche und Uwe Hirth-Schmidts Cello arg ins Abseits gedrängt.

Das Trio spielt auswendig. Die Gedächtnisleistung beeindruckt, aber der Zugewinn an Freiheit schwächt offenbar die Bindung, die Klangdisziplin der Musiker untereinander. Bei Mozarts Divertimento gefällt der grundsätzlich herbe Sound im Andante. Ansonsten lassen sich Unsauberkeiten kaum überhören. Lässt sich das hitzige Dreigespann dann doch einmal auf Piano-Inseln ein, wirken die weit intensiver als das sonst pauschale Espressivo, das auf Dauer ermüdet. Seinem Namenspatron Jacques Thibaud (1880-1953) wurde das Trio jedenfalls nur bedingt gerecht.

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