Kultur : Im Garten des Geigers

Jörg Königsdorf

über einen Knirps, der den Weltstars beim Plaudern zusah Um seine Kindheit werden Daniel Hope vermutlich alle Geiger der Welt beneiden: Nachdem seine Eltern bald nach seiner Geburt wegen ihres Widerstands gegen das Apartheid-Regime aus ihrer südafrikanischen Heimat fliehen mussten, nahm seine Mutter eine Stelle als Sekretärin von Yehudi Menuhin an. Hope wuchs also sozusagen im Geigenhimmel auf, und das Erleben großer Musiker, die im Hause Menuhin spielten, gehört zu seinen frühesten Kindheitseindrücken.

Kein Wunder, dass so jemand irgendwann selbst zur Geige greift, und ebenso wenig erstaunt es, dass Hope ein Gutteil von Menuhins musikalischem Humanismus geerbt zu haben scheint. Mit brillanter Virtuosität als Selbstzweck hat der 34-Jährige jedenfalls nichts im Sinn, im Konzert zeigt er sich eher als Kammermusik-Typ, sein Repertoire besteht nicht aus Paganini und Tschaikowsky, sondern aus Mozart, Berg und Alfred Schnittke. Das spiegeln auch seine vielfach preisgekrönten Aufnahmen, deren Programme durchweg starke persönliche Bezüge haben.

Auf seiner letzten Einspielung beispielsweise, „East meets West“ (Warner), koppelt er eine frühe Violinsonate Schnittkes (zu dem er als 17-Jähriger während seines Geigenstudiums in Lübeck eine Freundschaft aufbaute) unter anderem mit Ragas von Ravi Shankar auf den Tod Menuhins – Shankar gehörte als enger Menuhin-Freund zu den Musikern, die Daniel Hope als Kind besonders intensiv erlebte.

Zu diesem Streben nach persönlicher Durchdringung der Musik passt, dass Hope neben seiner überaus erfolgreichen Solokarriere seit gut zwei Jahren festes Mitglied im weltberühmten Beaux Arts Trio ist: Zuletzt war in Berlin im November zu erleben, wie Hope mit Sensibilität und Selbstbehauptungswillen dem 81-jährigen Pianisten Menachem Pressler Paroli bot – ein konstruktiver Generationenkonflikt, dessen Resultat eine großartige Aufführung von Dvoraks „Dumky“-Trio war.

Bei seinen drei Konzerten mit dem Berliner Sinfonie-Orchester im Konzerthaus am Gendarmenmarkt am Donnerstag, Freitag und Samstag hat der Ausnahmegeiger zum Glück einen Dirigenten zur Seite, der nicht nur kapellmeisterlich begleitet, sondern für musikalischen Dialog steht: Hans Zender, dessen dritte Oper „Chief Joseph“ am 23. Juni an der Staatsoper uraufgeführt wird, hat ein besonderes Gespür für romantische Zerfallsprozesse, Brüche und Gefühlsimplosionen, die er früher sogar durch eigene, sehr erfolgreiche Bearbeitungen zum Beispiel von Schuberts „Winterreise“ fokussiert hat. Eigentlich ideale Voraussetzungen für Schumanns spätes Violinkonzert, das Zender mit Mendelssohns „Märchen von der schönen Melusine“ und Brahms’ zweiter Sinfonie verknüpft.

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