Kultur : Im Glashaus

Die Berlinische Galerie feiert 5 Jahre Jakobstraße

Jens Hinrichsen

Ein Museum wird zerlegt – in Gestalt einer Geburtstagstorte, die der Berlinischen Galerie nachgebildet und eineinhalb Meter lang ist. Museumsdirektor Jörn Merkert rückt ihr an diesem Festsonntag zu Leibe, an dem mit einem Tag der offenen Tür – nach einer Kunstnacht für die junge Szene – an der Alten Jakobstraße eine Wiedergeburt gefeiert wird. Vor fünf Jahren konnte die Institution nach fast 30 Nomadenjahren endlich ein eigenes Haus beziehen.

Merkert erinnert sich gut an den frühlingshaften 24. Oktober 2004, als 8600 Besucher kamen, um das neue Domizil für das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur zu feiern, an die Gefühle der „Dankbarkeit und Genugtuung“ . 1975 gegründet, hatte der Verein 1978 im Landwehr-Kasino am Zoo Asyl gefunden, 1986 zog er in den Martin-Gropius-Bau um. Ein Jahr später wurde Merkert Direktor, 1994 erhielt die Galerie den Status einer Stiftung öffentlichen Rechts. Mit dem Auszug aus dem Gropiusbau 1998 begannen die „unsichtbaren Jahre“, wie Merkert die Durststrecke nennt. Zunächst sollte das Postfuhramt an der Oranienburger Straße Heimstätte werden, was sich aber ebenso zerschlug wie eine Option auf die Schultheiß-Brauerei in der Methfesselstraße. Auch der Umbau des ehemaligen Glaslagers an der Alten Jakobstraße (Architekt: Jörg Fricke) wäre um ein Haar an einem konkurrierenden Supermarkt gescheitert – bis eine beherzte Grünen-Stadträtin eingriff.

Seit 2004 wird hier eine imponierende Sammlung von Gemälden, Grafiken, Fotografien und Architekturmodellen präsentiert, die den Bogen von der Reichsgründung bis in die jüngste Zeit schlägt. Die Berliner Sezession mit Max Liebermann und Lovis Corinth ist vertreten, ebenso der Expressionismus, die Neue Sachlichkeit, Dada und die Nachkriegsmoderne. Beim Aufstocken der Sammlung muss Merkert allerdings auf die Großzügigkeit von Sammlern und Künstlern bauen. So bekam er kürzlich Arbeiten des aufstrebenden jungen Malers Clemens Krauss geschenkt – von privater Hand. Die Politik, klagt der 63-Jährige, lasse das Haus weitgehend im Stich: „Ohne Ankaufsetat sind uns die Hände gebunden.“ Wenn er im September 2010 die Leitung abgibt, möchte Merkert seinem Nachfolger ein „handlungsfähiges Haus“ übergeben.

Zu den Baustellen zählen die junge Kunst und das junge Publikum, auch wenn der der Showroom „jetzt/now“ für zeitgenössische Positionen zu den Trumpfkarten des Kreuzberger Domizils zählt. Und in der Nacht zum Sonntag war die Galerie zum Club mutiert, mit 1500 jungen Besuchern, die einen Mix aus Führungen, Performance, DJ-Darbietungen und einem Fotowettbewerbsfinale erlebten. Geht doch!

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