Kultur : Im Götterschatten

Noel Redding, Bassist der Hendrix Expierence, ist tot

Kai Müller

Eigentlich war er Gitarrist. Doch als Jimi Hendrix in sein Leben trat, ließ er es sein und stieg auf den Bass um. Noel Redding wurde Mitglied der Hendrix Experience, jenes legendären Rock-Trios, das drei kurze Jahre lang Geschichte schrieb. Dabei war die Band stets mehr als nur ein Vehikel, um dem genialen Leader Gelegenheit für ausgedehnte Improvisationen zu geben. Schlagzeuger Mitch Mitchell trieb Hendrix mit seinem unsteten, freien Stil ständig voran, während Redding auf eine unspektakuläre Art das Zentrum bildete. Die Band, deren Mitglieder voluminöse Lockenfrisuren trugen, waren bald wegen ihrer erschöpfenden Auftritte berühmt.

Trotz des großen Erfolges, wurde es Redding bald leid, nur als Sideman wahrgenommen zu werden und immer dieselben festgelegte Noten spielen zu müssen. Als Hendrix die Band vergrößern wollte, stieg er aus, kehrte zur Gitarre zurück und formte mit Fat Matress seine eigene, nicht unbedeutende Rockgruppe. Aus ihr wurde der glücklose Songwriter allerdings hinausgeworfen.

Dass Redding schließlich, als die Popwelt ihn beinahe vergessen hatte, seine Erinnerungen an Hendrix veröffentlichte („Are You Experienced?“), war wie ein hilfloser Versuch, wenigstens etwas Kapital aus der Legendenbildung herauszuschlagen. Aber die Jahre mit Hendrix dürften den gebürtigen Briten tief geprägt haben. Wie so viele seiner Generation ist er innerhalb weniger Monate um ein Jahrzehnt gealtert. Als Hendrix in Woodstock seine ganze Enttäuschung auf die amerikanische Nationalhymne niedergehen ließ, war Redding schon nicht mehr dabei. Er wurde 57 Jahre alt, er starb am Sonntag unter ungeklärten Umständen in seinem Haus in Irland.

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