Kultur : Im Hexenkessel

KUNST

Constanze Suhr

Um das traumatische Erlebnis vor neun Jahren, als er in England auf der Straße krankenhausreif geschlagen worden war, zu verarbeiten, begann Cameron Rudd die im Stadtleben lauernde latente Gewalt zum Thema seiner Kunst zu machen. Längst scheint die schmerzhafte Erfahrung des 1973 geborenen englischen Künstlers, der in London an der Byam School of Art studierte, ein fast mythisches Ereignis, in verschiedenen Medien unterschiedlich wiedergegeben. Für Rudd wurde sie zum Anlass, genauer hinzublicken und Spannungen aufzuspüren, die er vielleicht vorher als „Unbeteiligter“ übersehen hatte.

In Berlin setzte der Brite seine Beobachtungen auf nächtlichen Streifzügen fort, filmte die Straßenszenen in Mitte und Kreuzberg mit Video und suchte sich daraus Augenblicke, um sie als ein eigentümlich stilles Szenario mit Öl auf Leinwand zu bannen. Vor anderthalb Jahren stellte Rudd in der Neuen Aktionsgalerie seine Bilder vom 1. Mai in Kreuzberg aus, auf denen er die brodelnde, aufgeladene Atmosphäre festhielt. Seine neueren Bilder vermitteln den Eindruck, als hätte sich Rudd im Laufe der Jahre die Betroffenheit von der Seele gepinselt. Die Szenen bekommen mehr Kraft, der Pinselstrich ist zügiger, lockerer geworden. Doch immer noch wird der Sicherheitsabstand zum abgelichteten Subjekt gewahrt, ob es Punks, Prostituierte oder andere Akteure der Straße sind. Das eingefrorene Bild erlaubt zwar nachträglich den intensiveren Blick, doch die Individuen bleiben weiterhin Fremdkörper („Urban Still Lives“; DNA Galerie, Auguststraße 20, bis 10. August, Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-19 Uhr)

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