Im Kino: "Baden Baden" : Falsche Liebe

Handlung als Vorwand für das Beobachten von Körpern im sozialen Raum: Der eigenwillige Debütfilm der belgischen Regisseurin Rachel lang, „Baden Baden“.

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Die großartige Salomé Richard als Ana in "Baden Baden".
Die großartige Salomé Richard als Ana in "Baden Baden".Foto: FilmKinoText

Die meisten Jobversager im Kino sind Männer, Frauen dürfen vor allem an der Liebe scheitern. Auch Ana gelingt es nicht, den oder die Richtige zu finden. Den Falschen vielleicht schon. Und sie verliert ihren Job, gleich zu Beginn von Rachel Langs Debütfilm „Baden Baden“, nach einer brillant unprätentiös inszenierten Autofahrt, die nach fünf Minuten mit einem Wutausbruch und stillen Tränen endet. Ersterer kommt von einem herrlich klischeehaft dargestellten Regisseurs Zampano, der die junge Frau am Steuer wegen ihrer fast einstündigen Verspätung niedermacht und zur Strafarbeit verdonnert. Die Tränen kommen von selbst.

Das alles ist in einer einzigen Einstellung auf das Profil der überforderten Fahrerin gedreht. Eine Mitbewohnerin hatte sie an die Filmproduktion vermittelt; wenig später lenkt Ana das Dienstfahrzeug – einen Porsche – in ihre nahe Heimatstadt Straßburg. Dort warten gute Freunde und der Ex, Bruder, Eltern und eine Großmutter (Claude Gensac), die mit Herz und Witz die emotionale Heimstatt für Film und Heldin bedeutet.

Balgerei statt Sex

Als die Oma ins Krankenhaus kommt, ist das der Enkelin Anlass für ein überkandideltes Bauprojekt im Badezimmer der Etagenwohnung, das mit Hilfe eines herbeicharmierten Baumarkt-Angestellten und gründlicher Unfähigkeit beider Akteure einigen Slapstick ermöglicht. Wiederholt trifft trockenster Humor auf spielerische Körperlichkeit: Balgerei statt Sex. Und wenn Ex-Freund Boris wirkungsvoll vom Ausflugsboot abtreten will, tut er das mit einem Hechtsprung ins Hafenwasser.

Die Verführungs- und Versöhnungstricks des Videokünstler-Snobs beeindrucken Ana – zum Leidwesen ihrer Mutter und wohl auch vieler Zuschauer. Die junge Frau hätte andere amouröse Optionen. Aber „Baden Baden“ (benannt nach dem Ausflugsziel, das Ana ihrer Oma vorschlägt) ist sowieso ein Film, der sich traditionell handlungstreibenden Motiven wie Partnerwahl, Jobsuche oder Verfolgungsdruck wegen des unterschlagenen Dienstwagens listig entzieht. Der belgischen Regisseurin ist die Handlung vielmehr Vorwand für das Arrangieren und Beobachten von Körpern im sozialen Raum. Die großartige Salomé Richard sieht mit ihrer kecken Kurzhaarfrisur der kaum älteren Regisseurin dabei auffällig ähnlich. Deren Film könnte mit seiner spröden Lakonie, den präzise arrangierten Einstellungen (Kamera: Fiona Braillon) und der Körperkomik glatt eine feministische Variante des frühen Hal Hartley sein – mit satirisch hübschen Seitenhieben auf die Welt der Videokunst.

OmU: b-ware!, fsk, Moviemento

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