Im Kino: "Gods of Egypt" : Die Götter müssen verrückt sein

Alex Proyas geht im Filmspektakel „Gods of Egypt“ äußerst frei mit den altägyptischen Mythen um.

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In vollem Ornat. Die Göttin der Liebe mit Namen Hathor (Elodie Yung).
In vollem Ornat. Die Göttin der Liebe mit Namen Hathor (Elodie Yung).Foto: Concorde

Sturzflug durch ein imposantes Panorama, schroff türmen sich Wüstenberge auf, der Nil glitzert im Gegenlicht, Menschenmengen drängen durch enge Altstadtgassen. Eines allerdings ist anders als in üblichen Historien- und Bibelfilmen: Die Szenerie ist durchsetzt von einem Dutzend Pyramiden. Die Welt in „Gods of Egypt“ ist weder das historische Alte Ägypten noch das unserer religiösen Mythen (wie Ridley Scott es zuletzt in „Exodus“ in Szene gesetzt hat), sondern die Welt der religiösen Mythen des Alten Ägyptens. Götter und Sterbliche leben hier Seite an Seite, wobei sich die Götter durch ihre ungefähr doppelte Körpergröße von den Sterblichen unterscheiden. Außerdem fließt in ihren Adern Gold statt Blut.

Die Unterscheidung in Götter und Sterbliche ist indes irreführend, weil auch die Götter sterben oder jedenfalls getötet werden können. Und damit geht es gleich los: Bei der Thronübergabezeremonie des amtierenden Herrschergottes Osiris (Bryan Brown) an seinen Sohn Horus (Nikolaj Coster-Waldau) kreuzt unvermittelt Osiris’ Bruder Seth (Gerard Butler) auf, richtet unter den anwesenden Göttern ein Blut- beziehungsweise Goldbad an und reißt die Macht an sich. Horus überlebt, aber verliert das Augenlicht und zieht sich deprimiert in seine Pyramide zurück. Dem jungen Meisterdieb Bek (Brenton Thwaites) gelingt es, eines der Augen aus Seths Pyramide zu stehlen. Bei der Flucht wird jedoch seine Verlobte Zaya (Courtney Eaton) getötet, und so kämpfen Bek und Horus fortan gemeinsam dafür, Seths Schreckensherrschaft zu beenden und Zaya ins Reich der Lebenden zurückzuholen.

Viel Ärger handelte „Gods of Egypt“ sich in den USA ein, weil für eine in Nordafrika angesiedelte Geschichte auf eine überwiegend weiße Besetzung zurückgegriffen wurde – ohne einen einzigen echten Ägypter. Regisseur Alex Proyas, in Australien aufgewachsener Sohn griechischer Eltern, aber immerhin in Alexandria geboren, machte sich daraufhin auf Facebook Luft und beschimpfte seine Kritiker als „gestörte Idioten“, „kranke Geier“ und „weniger als wertlos“. Tatsächlich lässt sich über die ethnische Zusammensetzung des altägyptischen Volkes nur spekulieren, zudem spielt der Film ohnehin in einer mythischen Welt. Dort aber liegt Proyas total daneben: ausgerechnet den Weisheitsgott Thot mit dem schwarzen Schauspieler Chadwick Boseman zu besetzen, ist insofern äußerst unglücklich, als Thot mit der Farbe Weiß assoziiert wird: Seine heiligen Tiere sind der weiße Ibis und der weiße Mantelpavian.

Die Sphinx stellt Rätselaufgaben und tötet

Das ist freilich nur ein Kleinstdetail in einer Adaption, die nicht gerade auf extreme Werktreue setzt. Etwa beim Zweikampf zwischen Horus und Seth: In der ägyptischen Mythologie, in der der Konflikt mit einem Kompromiss beigelegt wird, repräsentiert Seth die zügellose physische Gewalt, während Horus den Willen zur Gerechtigkeit verkörpert – in „Gods of Egypt“ tritt er allerdings als aufbrausender Muskelprotz auf. Vollends drunter und drüber geht es dann, als Horus und Bek auf ihrer Reise einer Sphinx begegnen, die aber keine Königsstatue mit Löwenkörper ist, sondern das gleichnamige Fabelwesen aus der griechischen Sagenwelt, das Rätselaufgaben stellt und bei falscher Antwort tötet.

Aber wer geht schon ins Kino, um sich über antike Mythen zu informieren. Schlimmer ist, dass die Wurstigkeit, die der Film seinem Stoff gegenüber an den Tag legt, irgendwann auf das Publikum abfärbt. Darin ist er typisch für aktuelle Blockbuster wie zuletzt „Batman v. Superman: Dawn of Justice“, denen jeder Bezug zur physischen Realität verloren geht: Sie sind bloße, vor Greenscreen gedrehte Spezialeffektspektakel über Wesen mit Superkräften, die gegen andere Wesen mit Superkräften kämpfen. Ob nun der einäugige Horus im Speerkampf gegen Seth eine Chance hat, taugt eher für nerdige Schulhofdiskussionen als für eine packende Actionsequenz.

Wie antike Ruinen von Wüstensand wird das Geschehen alsbald in lähmender Beliebigkeit verschüttet und verwandelt sich in eine Zerstörungsorgie von der Stange. Dabei vermeidet „Gods of Egypt“ immerhin den breitgetretenen Weg der Sequels und Comic-Adaptionen, sondern will dem Blockbuster-Kino eine neue Welt erschließen. Und findet durchaus gelegentlich richtig neue Bilder – etwa wenn der Sonnengott Ra (Geoffrey Rush) mit seiner Barke um die Erdscheibe herumfährt und mit den Mächten der Finsternis ringt.

"Gods of Egypt" läuft In 16 Berliner Kinos; OV im Alhambra, Karli, Cinestar SonyCenter.

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