Kultur : Im Kino: Lob der Harmlosen

Kerstin Decker

"Love and sex".- Noch mal "Intimacy" also, schon eine Woche später? Nein, das klingt nur so. Mit "Love and Sex" ist alles wieder, wie es vorher war und bleiben wird. "Intimacy" war bloß die Unterbrechung. Einen Augenblick lang Sex für Erwachsene. Vielleicht machte ihn schon das zum Ereignis. Völlig klar, ein wenig wortkarg waren die beiden dort schon, aber es geht ja weiter mit dem Darüber-Reden. "Intimacy" war die Erklärungspause. Welche kommunikative Gesellschaft hält das aus?

"Love and Sex" von Valerie Breiman. Eine endlose Untersuchung über die eigene Befindlichkeit, und wie alle solche Untersuchungen ein wenig pubertär. Mag ja sein, dass die Heutigen nur äußerlich älter werden, und tief innen die kleinen Mädchen und Jungs bleiben, die sie mal waren. Mit denselben Gefühlen und fast denselben Worten dafür. Nein, es sind doch nicht ganz dieselben Worte. "Oralsex kann Depressionen heilen." Mit vierzehn hätte Kate (Famke Janssen) das noch anders formuliert. Mit der Zeit legt sich nur die Quasi-Objektivität der Wissenschaftssprache auf die alten Bedrängnisse: unglücklich zu sein, wenn man eine "feste Beziehung" hat - und noch unglücklicher, wenn man sie nicht mehr hat.

Im Augenblick ist Kate, die Journalistin, gerade sehr unglücklich, darum hat sie ihren Oralsex-Artikel "Blow by blow" genannt hat. Das war ein Fehler, genau wie der Inhalt, denn es existieren doch noch Grenzen für das Ausleben pubertärer Gemütszustände in modernen Gesellschaften. Kates Chefredakteurin hat das klar erkannt. Man sei ein Frauenmagazin, und die "Leserinnen hätten noch Hoffnung". Darum schließlich gäbe es "Monique", das Magazin. Weil es noch Hoffnung gibt. Und Kate ist gefeuert.

Und ist doch nicht gefeuert. Denn das wäre zu ernst. Nicht nur "Monique" ist eine Feel-good-Zeitschrift, sondern "Love and Sex" auch ein Feel-good-Film. Ein Komödchen. Natürlich gibt es wunderbare Beispiele dieses Genres. "Harry und Sally" etwa, aber was dort Witz war und Poesie wurde, schmeckt hier von Anfang an schal. Sogar die bemühten gedanklichen special effects: Kate mit ihrer Vorliebe für "Nosferatu" sowie den deutschen Expressionismus überhaupt. Bis zur Deadline muss sie eine grundsätzliche Revision ihres Artikels vorlegen, was uns die Gelegenheit - oder besser: die Verlegenheit - gibt zu einer Reise in Kates Vergangenheit. Dreizehn "Beziehungen" hatte sie. Nun gut, wir müssen gar nicht alle dreizehn sehen. Die mit dem Maler war die wichtigste, die mit dem Actiondarsteller und Robert-de-Niro-Fan die zweitwichtigste. Soviel zum Ergebnis. Alles wird gut. Trotz oder wegen seiner betäubenden Harmlosigkeit. Nicht dass die Harmlosen unsympathisch wären. Sie sind nur so furchtbar egal.

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