Im Kino : Sex im Spiel

Justin Timberlake als störrischer Web–Designer: „Freunde mit gewissen Vorzügen“.

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Romantiker. Dylan (Justin Timberlake) und Jamie (Mila Kunis). Foto: dpa
Romantiker. Dylan (Justin Timberlake) und Jamie (Mila Kunis).Foto: dpa

Ihren „New Yorker Berggipfel“ nennt Jamie (Mila Kunis) ihr privates Rückzugs- Rooftop mit Blick aufs Chrysler Building, es ist ein großer Vertrauensbeweis, wenn sie einen fast Fremden dorthin mitnimmt. Oder professionelle List? Schließlich soll die Headhunterin den kalifornischen Web-Designer Dylan (Justin Timberlake) zu einem Edelmagazin locken. Weil er sich störrisch zeigt, kriegt er als Köder die ganz besondere Stadttour.

Schon bald sind die beiden Freunde, auch Sex kommt ins Spiel. Nur romantische Gefühle kommen für die beiden frisch Beziehungsgeschädigten nicht infrage. Wer aber die Regeln der romantic comedy kennt, weiß: Das glückliche Finale bleibt nicht aus – die Lust besteht darin, es möglichst lange hinauszuzögern.

„Friends with benefits“, so der Originaltitel, ist der englische Begriff für diese Art erotischer Arrangements. Nun hat sich Will Gluck, der mit der Highschool-Komödie „Einfach zu haben“ im Kino überzeugte, mit Verve den Chancen solcher Sex-Freundschaften angenommen. Auch „Freunde mit gewissen Vorzügen“ glänzt mit rasanten Wortkaskaden und sexuell wie politisch expliziten Anspielungen auf die US-Kultur. Zudem bringen Jamie und Dylan, selbst Rom-Com-Kenner, die Muster des Genres immer wieder hübsch selbstreflexiv auf den Punkt.

Nur der Plot ist weniger subversiv. Das Gröbste richten familiäre Sentimentalitäten, mit dem großartigen Richard Jenkins als Dylans Vater, der an einer Krankheit leidet, für die ein US-Kritiker die Diagnose „Film-Alzheimer“ erfand. Der Rest bleibt Nebenpersonal. Woody Harrelson, der als schwuler Sportredakteur den weisen Narren gibt, darf nur ein paar Mal glänzen, noch härter trifft es Patricia Clarkson als Hippie-Ludermutter. Etwas mehr Frechheit gegenüber den Genre-Regeln hätte nicht geschadet. Silvia Hallensleben

In 18 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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