Kultur : Im Kino: Tragikomödie "Zurück auf Los" im Filmtheater am Friedrichshain

Cristina Moles Kaupp

"Liebe ist wie Haarausfall" säuselt eine Schlagerstimme. Erbarmen!? Mitnichten. "Zurück auf Los!" hat gerade erst begonnen und wird in diesem Tenor weitergehen. Rührend und kitschig, tragisch sowieso. Eine Handvoll schwuler Überlebenskünstler will zeigen, wie intensiv das wahre Leben, Lieben und Sterben geht und wählt sich dafür die schorfigen Kulissen des noch nicht gänzlich totsanierten Prenzlauer Berg - Heimvorteil für das Debüt des 38-jährigen Pierre Sanoussi-Bliss, der bislang in Doris-Dörrie-Filmen und im "Tatort" mitspielte.

Nun schickt er eigene sympathische Gutmenschen durchs Geschehen. Allen voran Sam (Sanoussi-Bliss): ein eitles Prinzesschen in blausamten flatterndem Morgenfummel. Ihn adelt seine romantische Ader, denn Sam glaubt unerschütterlich an die Liebe und an gute Lieder. Damit vor allem letztere nicht so schnell verwehen, investiert der arbeitslose Sänger jede Mark, um seine geliebten Ost-Schlager neu zu vertonen. Nur, will die noch jemand hören?

Auch mit seinem Mann hat sich Sam gründlich vertan: Trennung nach dreieinhalb Jahren, dann erkrankt der Ex an Aids, und Sam ist HIV-positiv. Der reinste Horror. Doch Sam kennt keine Wut. Mimt statt dessen das Stehaufmännchen, zeigt Galgenhumor. Verkuckt sich in Rainer, ein Bild von einem Kerl. Und alles auf Anfang. Bis er Rainer in flagranti erwischt. Und schon wieder keine Wut. Bleiben noch Sams Freundschaft zu Bastl (Matthias Freihof), der ebenfalls auf individuellen Umwegen sein Glück verfolgt, ihre friedlichen und stürmischen WG-Tage, neue Lover und wiederkehrende Männer. Doch so heiter kann ihre Spielwiese am Rand der Gesellschaft gar nicht sein, dass darauf keine Zweifel wachsen. Bastl begießt sie immer öfter mit Alkohol, Sam hegt und pflegt die Lebenslust. Viel zu einfach geht das, da fehlt der Biss.

Es gehe ihm um das normale Leben, meintder Regisseur, nicht um Kabinettstückchen. Doch genau so wirken seine turbulenten Alltagsepisoden, die sich in ihrer Beiläufigkeit nie zu mehr verdichten. Zu einer Geschichte etwa, in der Rassismus, Behinderung, Aids und Tod nicht nur als Marginalien dienen, sondern eigenes Gewicht finden. So jedoch tänzelt das zwischen Gags, koketten Posen und Verzweiflungstälern hin und her. Komödie, Tragödie, Melodram? So sympathisch sein Plädoyer für mehr Lebensmut auch gedacht sein mag - zurück auf Los.

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