Kultur : Im Klangbad

Neue Musik für Berlin: das Projekt „Ohrenstrand“

Ulrich Pollmann

Die Bundeskulturstiftung legt sich ins Zeug: Getreu der Zielsetzung, mit großen Projekten das kulturelle Leben des Landes zu stärken, Potenziale neu auszurichten und in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern, befindet man nun auch die Neue Musik für förderbedürftig. Für die auf vier Jahre ausgelegte Initiative „Netzwerk Neue Musik“ bewarben sich rund 80 Initiativen, 15 bekamen den Zuschlag – und somit Zugang zu acht Millionen Euro Förderung. In Berlin setzte sich das Projekt „Ohrenstrand“ gegen zehn regionale Mitbewerber durch.

Thomas Bruns, der künstlerische Leiter der Initiative, erläuterte in den neu hergerichteten Räumlichkeiten am Pfefferberg, wie der schmucke, technisch bestens ausgestattete Saal Standbein des Projekts sein wird. Ab September finden hier monatlich zwei Konzerte statt. Zudem präsentiert die auf Klangkunst spezialisierte „Singuhr-Hörgalerie“, angelehnt an zeitgleiche Installationen im Wasserspeicher, Diskussionen mit Künstlern.

Auch der dritte Dauerpartner des Projekts ist am Prenzlauer Berg ansässig: Das „ausland“, Spielstätte für experimentelle Musik und Medienkunst, wird Veranstaltungen beisteuern. Daneben gibt es Kooperationspartner: Die TU ist ebenso dabei wie das Konzerthaus mit seinem Bildungs-Projekt „Open your Ears“. Und das rbb-kulturradio lädt am Hamburger Bahnhof zur Galerienwanderung mit Musik, auf dass Gegenwartskunst und neueste Musik zusammenfinden mögen.

Eines der interessantesten Projekte verspricht die Kooperation mit der Zeitgenössischen Oper Berlin. 2009 wird nach einem Wettbewerb eine mobile Architektur realisiert, die Musik an Berliner Orte bringen soll, wo sonst eben keine ist. Auch für die Prignitz und die Uckermark sind Projekte geplant, in Kooperation mit der Akademie der Künste.

Finanziell ist der „Ohrenstrand“ nicht auf Sand gebaut. 200 000 Euro gibt die Bundeskulturstiftung jährlich, noch einmal so viel kommt durch Förderer und Kooperationspartner rein. Auch der Senat hat Gelder zugesagt. Ob dem Stellenwert der Neuen Musik damit wirklich auf die Sprünge zu helfen ist, wird sich nach vier Jahren zeigen. In jedem Fall wird auf diese Weise eine am Prenzlauer Berg dicht vertretene junge Szene für experimentelle Klang- und Medienkunst unterstützt.

Ulrich Pollmann

Am Sonnabend von 18 - 24 Uhr gibt es „Housemusik“ am Kollwitzplatz mit neuer Musik in privaten wie öffentlichen Räumen. Infos: www.ohrenstrand.net

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