Kultur : Im Klangraum

Der Rias-Kammerchor mit Haydns „Schöpfung“

Matthias Nöther

Als Joseph Haydn das Oratorium „Die Schöpfung“ komponierte, soll „Die Zauberflöte“ seines jüngeren (Freimaurer-) Kollegen Mozart nicht ohne weltanschaulichen Einfluss auf den alten Herrn gewesen sein. Beim Neujahrskonzert des Rias-Kammerchors muss man kaum auf diese untergründige Beziehung hingewiesen werden – sie tritt musikalisch offen zu Tage, vor allem bei der Sopranistin Julia Kleiter. Gut nachvollziehbar, warum die Pamina Kleiters Opern-Paradepartie ist. In den Sopran-Arien der „Schöpfung“ fesselt sie deshalb, weil sie auch bei Haydn jenes Repertoire klassischer Gesangstopoi musikalisch ausfüllt. Keine Koloratur, die sie nicht – und das hätte dem Komponisten zweifellos gefallen – aus dem barocken Korsett statischer Klangfiguralität befreit, indem sie ihr mit durchlebter Dynamik gleichsam die dritte, räumliche Dimension verleiht; keine Phrase, für die sie das Publikum nicht mittels exakt fokussiertem Klang und ausgeglichen rundem Timbre zu interessieren wüsste.

Hinter Kleiters konturierter Darbietung bleiben die Herren dieser „Schöpfung“, der Bass Johannes Weisser und der (eingesprungene) Tenor Maximilian Schmitt ein wenig zurück, der eine stimmlich, der andere musikalisch. Der Rias Kammerchor dagegen begeistert einmal mehr mit seiner Durchhörbarkeit selbst bei vollem Orchester-Fortissimo. Die technische Perfektion des Ensembles, auch seine Textverständlichkeit in den von René Jacobs zügig dirigierten Chören kann nicht oft genug hervorgehoben werden. Und als kongenialer Partner im Dienste all dieser Transparenz erweist sich das Freiburger Barockorchester. Ein würdiger Start ins Berliner Musikjahr 2009 in der ausverkauften Philharmonie. Matthias Nöther

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