Im Kleinbus nach Istanbul : Die Komische Oper auf der Spur der Arien

Der „Operndolmuş“ der Komischen Oper fährt von Berlin nach Istanbul auf der sogenannten "Gastarbeiterroute". Wir begleiten die Reise mit einem Videoblog. Nach eine Stopp in Sofia geht es weiter nach Istanbul!

Lisa-Maria Röhling
Szene aus dem Auftritt in Wien
Auftritt in der GB*10 in Wien.Foto: Herwig Prammer

Wenn Mustafa Akça von einem türkischen Dolmuş erzählt, liegt Begeisterung in seiner Stimme. Die öffentlichen Kleinbusse, deren Name frei mit „voll“ übersetzt werden kann, sind ein Phänomen: Der Fahrer hört laut Musik auf einem alten Kassettenrekorder, während sich immer mehr Menschen in den Bus schieben. Zum Bezahlen geht das Geld an den Vordermann, der es dem Fahrer weitergibt – und nach wenigen Minuten kommt das Wechselgeld zurück. Diese Dynamik und Interaktion standen Pate für die Idee des „Operndolmuş“, mit dem die Komische Oper auf die Reise durch Europa geht. Dabei begibt sie sich auf die Spur der Gastarbeiterroute, auf der sich in den 1960er Jahren zahlreiche deutsche Arbeitsmigranten alljährlich auf die Reise in ihre Heimatländer begaben.

Seit 2012 leitet Mustafa Akça das interkulturelle Projekt „Selam Opera!“, das mit dem „Operndolmuş“ das Musiktheater in Berliner Kieze bringt, damit sich Oper und Menschen direkt begegnen können. Dabei gehen sie vor allem in lokale Gemeinschaftsstätten, um das Ensemble und die Musik ganz nah an die Menschen heranzubringen, ohne dass sie durch einen breiten Orchestergraben getrennt sind. Nun soll das ganze europaweit stattfinden: Ein 16-köpfiges Team aus Sängern, Musikern, Technikern, Moderatoren und Maskenbildnern begibt sich auf die Busreise nach Istanbul. Doch auch die Berliner Opernfans können sich ein wenig in die Ferne sehnen, denn ein Kamerateam begleitet die Reise für einen Videoblog.

Der erste Stopp auf der 3000 Kilometer langen Reise ist München, dann geht es weiter nach Wien, Belgrad und Sofia, bevor das kleine Ensemble am 7. Juli Istanbul erreicht. In jeder Stadt wird es zwei Aufführungen auf lokalen Bühnen geben. Akça hofft auch hier auf den Austausch mit der Bevölkerung. Schließlich spielte sich die Geschichte der Gastarbeiter ebenfalls in diesen wichtigen Stationen auf der Reiseroute zwischen Deutschland und der Türkei ab. Deswegen reist auch eine Moderatorin mit, die vor und nach der Vorstellung Ensemble und Zuschauer zusammenbringt.

Lieder von Liebe, Sehnsucht und Heimat

Akça erinnert sich noch genau daran, wie er einst selbst mit seinem Vater die Strecke in die Türkei fuhr. Die Reise sei stets lang und anstrengend gewesen, doch er verbindet sie auch mit zahlreichen neuen Erlebnissen. Auch die 45-minütige Musiktheaterrevue, mit dem sich die Komische Oper nun auf den Weg nach Istanbul macht, ist eine Geschichte von einer Reise, von Heimat, von Fernweh und der Hoffnung, sein Glück in der Ferne zu suchen. So ist das Programm nicht nur ein Streifzug durch die Operngeschichte, sondern greift die Themen Arbeit, Sehnsucht und Heimat aus bekannten Opern auf: Bizets Carmen singt ihre „Habanera“ im Kreise von Fabrikarbeitern und etwa im „Der Barbier von Sevilla“ spielt die Sehnsucht eine große Rolle. Themen und Emotionen, die auch die Reisenden auf der Gastarbeiterroute bewegten. Ihre kulturelle Vielfalt bleibt gewahrt, insgesamt wird in der Revue auf sechs Sprachen gesungen. Eine musikalische Europareise für die Europareise im „Operndolmuş“.

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