Kultur : Im Land der Gummifrösche

CHRISTINA TILMANN

Bong, bong, bong.Es ist ein Sportstück besonderer Art, das die amerikanische Gruppe "Goat Island" im Rahmen der Berliner Festwochen im Probensaal des Podewil zeigt.Fünfzehn Minuten Hüpfen auf der Stelle.Wobei die Performance keineswegs auf der Stelle tritt: Die vier Schauspieler, drei Männer und eine Frau, entwickeln aus der monotonen Aktion eine Dramaturgie eigener Art.Einen Rhythmus aus Pirouetten, Purzelbäumen, kontrolliertem Keuchen und gleichmäßig auf den Boden klatschenden Armen und Beinen, dazwischen als durchgängiges Element die gleichmäßigen Sprünge, die zumindest ein Schauspieler immer durchhält: Je länger das anhält, desto luzider und spannender wird die Interaktion zwischen den Vieren.

Was sich so nicht unbedingt von allen Teilen des Abends sagen läßt.Die lose verknüpfte Folge improvisatorischer Szenen folgt durchaus ihrer eigenen Logik und hat immer wieder starke Momente, dreht aber auch auf ermüdende Weise in der Endlosschleife der Wiederholung.Und ist dann am besten, wenn sie sich minimalistisch auf Körperaktionen verläßt.Das Spiel zwischen Erschöpfung und Anspannung zieht sich als roter Faden durch das Programm.Nicht umsonst bildet der Film "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß" über einen Marathon-Tanzwettbewerb eine der wiederholt aufgegriffenen Vorlagen.Rund um das mit Kunstrasen zur Ruhezone gestaltete Mittelquadrat laufen die Schauspieler bis zum Umfallen Parcours - was nicht nur wegen der olivgrünen Kostüme an einen Truppenübungsplatz erinnert.

Ein Spiel bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit, das die Regisseurin Lin Hixson da komponiert hat.Laut Ankündigung soll "The Sea & Poison", auf einem Sommerkurs vor zwei Jahren in Glasgow entstanden, "historische Vergiftungen" wie Veitstanz, Insektizide und Radioaktivität thematisieren.In der Tat mündet die Performance in eine Froschplage, und mittels einer Pumpe wird eine weiße Flüssigkeit auf den Boden versprüht.In der Kombination von Werbefernsehen, Theateransprachen, wasserspritzenden Goldfischen und Gras, das auf dem Kopf wächst, entstehen surrealistische Bilder, in denen Ruhe mit Aktion, Vernunft mit Chaos wechseln.Am Ende bleibt das Gefühl, Zeuge eines erfolgreichen Performance-Workshops gewesen zu sein: Viel Material, phantasievoll präsentiert, und etwas wenig Zusammenhang.

Bis 27.September, 20 Uhr, Podewil

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