Kultur : Im Osten viel Neues

Jörg Königsdorf

fängt im Konzerthaus Schmetterlinge Keine Angst, es wird nicht gemäkelt. Denn natürlich ist Young Euro Classic eine feine Sache: Die Idee, die sommerlich verwaisten Konzertsäle der Stadt mit einem internationalen Jugendorchestertreffen zu füllen, war auf Anhieb ein Publikumshit, und seither sind die Auslastungszahlen sogar kräftig angestiegen. Zum Einheitspreis von neun Euro sind die Berliner offenbar nicht nur bereit, über die Eröffnungsreden bisweilen fragwürdiger Prominenter hinwegzuhören, sondern drücken auch ein Auge zu, wenn es mal beim bloßen Bewältigungsversuch einer Schostakowitsch- oder Mahler-Sinfonie bleibt. Klassik in Philharmoniker-Qualität gibt es schließlich das ganze Restjahr über noch genug, und mit dem Orchesterfest der Festspiele startet die neue Saison Ende August diesmal sogar so pompös wie noch nie.

Gerade gegenüber diesem glamourösen Line-Up der Spitzenorchester treten allerdings auch die Meriten von Young Euro deutlich hervor, vor allem der unermüdliche Einsatz für zeitgenössische Musik. In fast jedem Konzert steht eine Ur- oder zumindest eine Deutsche Erstaufführung auf dem Programm, ein halbes Dutzend dieser Werke sind sogar eigene Kompositionsaufträge des Festivals. Was im Alltagsbetrieb der Berliner Orchester die Ausnahme ist, ist hier die Regel. Natürlich wird auch im Eröffnungskonzert am Freitag im Konzerthaus Neues geboten: Das Orchester des Pekinger Konservatoriums spielt nicht nur Beethovens „Pastorale“, sondern auch ein neues Teilstück aus dem „Lied von der Erde“ des chinesischen Komponisten Xiaogang Ye sowie das Violinkonzert „Butterfly Lovers“ (Schmetterlingspaar) von Zhanhao He und Gang Chen.

Dass die Festivaleröffnung diesmal einem chinesischen Orchester zugefallen ist, zeigt , dass die Grenzen von Young- Euro-Land äußerst dehnbar sind: Während Frankreich und die skandinavischen Länder diesmal nicht mit von der Partie sind, führen Jugendorchester aus den USA, Kasachstan und eben China (mit gleich zwei Orchestern) die weltumspannende Integrationskraft der klassischen Musik vor. Bis zum 22. August stellen sich insgesamt 16 Orchester vor, vier Tage später rückt das international besetzte Schleswig-Holstein Festival Orchester unter Leitung von Yutaka Sado nach. Wahrhaftig kein Grund zum Mäkeln.

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