Kultur : Im Rausch der Tiefe

Schuld ist nicht allein das gute Wetter: Die Halbjahreszahlen für den deutschen Kinomarkt sind so schlecht wie lange nicht

Jan Schulz-Ojala

Ist das Kino nun halb voll oder halb leer? Geht es nach der am Dienstag veröffentlichten Halbjahresbilanz der Filmförderungsanstalt (FFA), ist das Kino – und das erstmals seit Jahren – eher halb leer gewesen. Um satte 11,3 Prozent sind die Besucherzahlen gegenüber dem 1. Halbjahr 2002 eingebrochen, der Umsatz sogar um 12,5 Prozent.

Woran liegt’s? Das gute Wetter, das das Juni-Minus auf knapp 20 Prozent schraubte und im Juli wohl noch heftiger ausfallen ließ, kann es bei einer Sechsmonatsbilanz nicht allein gewesen sein. Eher scheint nun wohl die Rezession auch auf den Filmmarkt durchzuschlagen, weshalb die Kundschaft sich den Kinobesuch auch trotz mitunter gesenkter Eintrittspreise lieber zweimal überlegt. Ein Drittes: Dem Programm des Halbjahres fehlten die Renner. Auch die zahllosen Fortsetzungsfilmchen aus dem Hause Hollywood machen offenbar nicht ewig Kasse.

Die vierte Ursache der plötzlichen Krise sieht FFA-Chef Rolf Bähr in der zunehmenden digitalen Piraterie. Das beginnt beim Herunterladen von Filmen aus dem Internet und geht mittlerweile bis zum massenhaften Vertrieb von illegal hergestellten DVD’s schon vor dem Kinoeinsatz einzelner Filme. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) schätzt den dadurch letztes Jahr entstandenen Schaden für die deutsche Filmwirtschaft auf bereits 350 Millionen Euro. Die Kinobetreiber sind davon noch nicht so betroffen wie die Videothekare – was für die FFA allerdings keinen Unterschied macht: Rund zwei Drittel ihrer Fördermaßnahmen finanziert sie aus Pflichtzahlungen allein dieser beiden Bereiche.

Halt, das Kino in Deutschland war auch halb voll im ersten Halbjahr! Und das dank des deutschen Kinos. Der Marktanteil stieg um drei Prozent auf 16,1 Prozent. Dabei überzeugte das Angebot nicht gerade durch seine Breite: Fast sechs der elf Millionen Besucher deutscher Filme drängte in nur einen Film – Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“. Womit der Dauertusch nun auch in der Statistik angekommen wäre.

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