Kultur : Im Testfeld

Heute eröffnet in Leipzig die Frühjahrsbuchmesse

Gerrit Bartels

Die Verantwortlichen des Kölner Dumont Verlags sind im Vorfeld der Leipziger Buchmesse nervös geworden. Wie in den Jahren zuvor hat der Verlag an diesem Buchmessenmittwoch, da die Messe mit einem Festakt im Gewandhaus eröffnet wird, zu einem kleinen, späten Leseabend ins „Café Telegraph“ eingeladen. Und wie sonst auch ist dieser Abend kein exklusiver, sondern offen fürs Publikum. Ging es hier bislang immer überschaubar zu, so weist der Verlag dieses Jahr darauf hin, pünktlich zu kommen, am besten eine Stunde vorher. Der Grund: Charlotte Roche liest aus ihrem Frauen-mitten-in-der-Sexkiste-Buch „Feuchtgebiete“, und weil Roche als Ex-VIVA-Moderatorin ein Popstar ist, könnte sich das „Café Telegraph“ schnell als zu klein erweisen und von einem gemütlichen Literaturbetriebstreffen keine Rede mehr sein.

Mag dieser befürchtete Andrang für den Dumont Verlag ein Novum sein, so ist er für die Leipziger Buchmesse business as ususal. Sie kehrt gern heraus, die kleinere, gemütlichere Messe im Vergleich zu der großen busy Schwester in Frankfurt zu sein, dafür die dem Publikum zugewandtere. Trotzdem ist man auch in Leipzig bemüht, das Publikum nicht nur mit Lesungen von Martin Walser über Ken Follett bis Götz Aly bei der Stange zu halten, sondern ihm auch Highlights in Form von Preisen zu präsentieren.

Heute erhält Geert Maak den Europäischen Verständigungspreis, am Donnerstag wird zum vierten Mal der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben, der wie der in Frankfurt verliehene Deutsche Buchpreis Bestseller zu generieren in der Lage ist, auch der Kurt-Wolff-Preis für unabhängige Verlage, der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritiker oder der Preis der deutschen Literaturhäuser gehören inzwischen zum gern rezipierten Standard. Neu in diesem Jahr ist eine Art Länderschwerpunkt: Kroatiens Verlage präsentieren sich mit fast vierzig Autoren, wobei Messe-Direktor Zille allerdings betont, jährliche Schwerpunktpräsentationen seien nicht zwingend: „Der Kroatienauftritt ist für uns erst mal ein Testfeld“.

Auch die deutschen Verlage bemühen sich, auf die Minute fit zu sein. So zog Suhrkamp die Veröffentlichung von Marcel Beyers „Kaltenburg“ um einen Monat vor, um ihn in Leipzig zu präsentieren, dasselbe tat KiWi mit dem für Ende April angekündigten „Buch der verbrannten Bücher“ von Volker Weidermann. Auch versucht man, Trends zu setzen. So wie Peter Unfried mit seinem Buch „Öko“ über die „Neuen Ökös“, das Daniel Cohn-Bendit schon als den Beginn einer „Öko-Revolte“ geadelt hat. Das Buch erscheint übrigens auch bei Dumont. Allerdings hat der Verlag in diesem Fall keine Sorge, dass ihm bei Unfried-Lesungen die Türen eingerannt werden. Gerrit Bartels

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