Kultur : Im Umbruch

KLAUS VÖLKER

Das Theater braucht junge und alte Schauspieler, junge und alte Autoren, junge und alte Regisseure.Viele an Jahren alte Künstler sind oft viel jünger als die jungen, nur an ihrem Aufstieg und ihren Erfolgen arbeitenden Jungen.Das Theater braucht das Wissen, die Erfahrungen, die Geduld und die produktiven Zweifel der Alten genauso wie die Unverfrorenheit, Neugier, Ungeduld und unverbrauchte Experimentierlust der Jungen.Junges Theater erfordert Mut, Risikobereitschaft und eine Menge Rücksichtslosigkeit gegenüber dem eigenen Hang zu Bequemlichkeit, Gefälligkeit und Selbstgenügsamkeit.Man ist jung, wenn man die Lust und die Bereitschaft hat, alle Formen der Unruhe auszukosten und auch auszuhalten.Altes Theater ist das Beharren auf dem blinden Können und den schnellen Erfolgen; es drückt sich in Gedankenlosigkeit und Routine aus, rennt dem Althergebrachten hinterher, dem sogenannten Publikumsgeschmack, dem Zeitgeist und den reibungslosen Patentrezepten.Mit junger Kunst und eben auch jungem, lebendigen Theater haben wir es dann zu tun, wenn die, die es machen, von der Notwendigkeit des stetigen Umbruchs der Zeiten durchdrungen sind.Raoul Hausmann hat das wundervoll formuliert: "Da heute der Mensch vor seiner Zerrissenheit die Ruhe sucht, die er nicht kennen kann, ist die Kunst auf dem Weg von der Zersplitterung zur Sammlung, zu der sie keine Gabe hat.Die Fälschungen müssen vermieden werden.Die Tagesbilanz wird gezogen.Der Umbruch ist notwendig."

Klaus Völker, Theaterwissenschaftler, Dramaturg und Kritiker, wurde 1938 in Frankfurt geboren und lebt heute in Berlin.Die Frage stellten die Berliner Festspiele mit Blick auf die Festwochen, die am 1.September beginnen.Der Tagesspiegel druckt einen Teil der Antworten.Nächste Folge: Udo Samel

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