Kultur : Im Werden

JÖRG KÖNIGSDORF

"Klavier um vier": Illavsky-Ursuleasa im KammermusiksaalVON JÖRG KÖNIGSDORFEin Werk wie Schumanns große C-Dur-Fantasie im Konzertsaal anzugehen, verlangt von einem jungen Pianisten schon ein gehöriges Maß an Selbstvertrauen.Die kaum zwanzigjährige rumänische Pianistin Mihaela Illavsky-Ursuleasa versucht es und kann trotz letztendlichen Scheiterns den Eindruck eines starken Talents hinterlassen.Für großräumige Disposition fehlt ihr noch die Erfahrung, schon im Kopfsatz bricht ihr der Spannungsbogen bei jeder lyrischen Zurücknahme ein, der hymnischen Steigerung des dritten Abschnittes fehlt der große Atem.Beeindrucken kann Ursuleasa mit geglückten Formulierungen im einzelnen, sie vermeidet glücklicherweise den Fehler kopflosen Voranstürmens als Ausweg aus gestalterischer Verlegenheit. Ein Schumann, der seine Wirkungskraft von den träumerischen "Florestan"-Inseln aus entfaltet und der als Interpretation in den nächsten Jahren sicher noch wachsen wird.Auch mit dem Rest ihres Soloprogrammes im Kammermusiksaal zeigt sich die Gewinnerin des renommierten Clara-Haskil-Wettbewerbs noch als eine Künstlerin im Werden: in Bachs Chromatischer Fantasie und Fuge zeugen die präzis abgerollten Arpeggien von sicherem Handwerk.Den Geist des frei schweifenden Phantasierens trifft sie noch nicht, ebenso wenig wie in Skrjabins Etüden Opus 8 das überfeinerte Raffinement der Miniaturen.Hier fehlt der Pianistin der Spielraum der virtuosen Pranke, gerade in den oberen Lautstärkebereichen klingt ihr mit Ganzkörpereinsatz hervorgebrachter Klavierton oft kernlos.Ihre ganze Konzentration gilt der fast zu gesund vorgetragenen Melodiestimme, kontrastierende Akzente in der linken Hand werden oft bis zur Unhörbarkeit abgedämpft, Begleitfiguren vom Pedal verhüllt.

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