Kultur : Im wilden Wedding

Mit 70 Jahren pendelt Helga Fox zwischen ihren Galerien in London und Berlin

Claudia Wahjudi
Helga Fox mit Arbeiten der chinesischen Künstler Chen Linggang (Bilder) und Chen Zhiguang (Skulptur).
Helga Fox mit Arbeiten der chinesischen Künstler Chen Linggang (Bilder) und Chen Zhiguang (Skulptur).Foto: Thilo Rückeis

Sie hat es immer eilig. Als sie die Ausstellung von Ronnie Flotsam im Juni eröffnet, führt Helga Fox die ersten Gäste rasch in den Keller, wo ein neo-surreales Gemälde des jungen australischen Künstlers in floureszierenden Farben leuchtet, und sofort wieder hinauf, um den Nächsten Platz zu machen. Oder sie lotst Besuch gleich ins Lager und schiebt Leinwände hin und her, bis da plötzlich ein großes Bild von einem Vollblutpferd steht, das die Berliner Künstlerin Christa Walhof so fotorealistisch gemalt hat, dass es gleich aus der Leinwand zu preschen scheint. Man müsste Pferdefreund sein, um seine ganze Finesse auf einen Blick zu begreifen, oder besser: ein Pferdebilder gewohnter Engländer.

In London, sagt Helga Fox, könne sie für Walhofs Malerei dreimal so viel verlangen wie in Berlin. Fox wohnt im Norden Londons und mietet in der City Häuser und Lofts für temporäre Ausstellungen. Seit Herbst unterhält sie auch eine Galerie in Wedding. Eröffnet wurde mit dem Berliner Künstler Wang Fu, es folgten Präsentationen von Walhof, Jens Reulecke und der Irin Helen Steele. In einem Alter, in dem andere die Rente genießen, hat Fox einen neuen Schritt riskiert. Die 70-Jährige pendelt zwischen London und Berlin und bereitet parallele Projekte vor wie Anfang 2011 Steeles Schau in der irischen Botschaft von Berlin. Sie treibe Yoga, sagte die gebürtige Österreicherin einmal einer englischen Zeitschrift, und fahre gern Ski. „Sie hat eine ungeheure Energie“, meint Jens Reulecke. Und in der irischen Botschaft erinnert man sich an die „sehr gute Kooperation: Rund 4 000 Besucher hätten Steeles Ausstellung gesehen.

Zur Kunst kam Fox Anfang der nuller Jahre nach einer langen Laufbahn an britischen Universitäten, an denen sie unter anderem Europäische Studien und Business Management unterrichtete. Da lernte sie den Maler Christoph Schmidberger kennen und beschloss, ihn bekannt zu machen. Heute wird der Österreicher von der Brand New Gallery in Mailand und der Londoner Union Gallery vertreten. Fox aber kehrte der Universität noch vor ihrer Pensionierung den Rücken. Neben Künstlern aus Asien und prominenten Europäern wie Hermann Nitsch vertritt sie nun delikat malende Künstler wie Joohee Chun mit ihren zarten Lackabstraktionen oder Richard Batty mit seinen narrativen Wimmelbildern, „our funky young artist“, wie sie sagt. Wenn Fox über die jungen Künstler spricht, meint man noch die Dozentin zu hören, die Studenten einen geregelten Arbeitstag empfiehlt, damit sie ihr Pensum schaffen.

Fox gilt als gut vernetzt in Großbritannien. Berlin empfindet sie als ungleich härteres Pflaster. Die Schererstraße liegt weitab von den üblichen Wegen der in Berlin ohnehin spärlicher als in London auftretenden Kunstkäufer. Gustav Trogers kleine Plastik aus Spiegelscherben in Gestalt eines American Football bietet Fox für 3000 Euro an, ein ganz kleines Bild von Batty für 850 Euro. Mehrmals bewarb sie sich zudem für das Art Forum: erfolglos, weil sie noch keine feste Galerie hatte. Nun fällt die Kunstmesse aus. Helga Fox wirkt nicht amüsiert. Noch im Frühsommer, während sie die aktuelle Ausstellung mit Arbeiten von Künstlern wie Chen Linggang, Sarawut Chutiwongpeti und Chen Zhiguang vorbereitete, hat sie überlegt, ob sie Berlin den Rücken kehren soll. Inzwischen steht ihre Entscheidung fest: Sie geht nicht, sondern sucht neue Räume, zentral in Mitte.

Galerie Helga Fox, Schererstraße 10/11; Akt. Ausstellung bis 31.8., Di - Sa 11 - 18 Uhr

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