Kultur : "Immatriculation temporaire": Ohne Motiv

Daniela Sannwald

"Wir haben einen Weißen überfallen", freuen sich die jungen Straßenräuber, während ihr Opfer sich gerade in einer Kneipe erholt: Mathias, Sohn einer Französin und eines Guineaners, ist gerade erst in Guinea angekommen, um seinen Vater zu suchen. "Er ist nicht weiß", korrigiert der Anführer der Bande, "nur ein Ausländer ..."

Für Mathias spielt dieser Unterschied keine Rolle: Er bleibt der Fremde, ein Eindringling in ein Land, dessen Regeln er nicht versteht. Ein bisschen freundet er sich mit dem Kleinkriminellen John Tra und seiner Schwester an, die beide in den Tag hinein leben. Ein bisschen fährt er auf einem klapprigen Motorroller durch die Gegend. Und schließlich findet er seinen Vater, weiß aber nicht, was er mit ihm reden soll. Als er sich in der Hauptstadt Conakry Ersatz für seinen gestohlenen Pass besorgen will, hat die Botschaft geschlossen ...

"Immatriculation temporaire" schickt seinen Helden durch eine rote Wüstenlandschaft über staubige Straßen in die Industriestadt Fria. Dort schaut er Jungen beim Basketballspielen zu, trinkt Bier, sitzt herum und wartet, ohne so recht zu wissen, worauf. Aber das tun alle Figuren in diesem feinen, kleinen afrikanischen Film, dem man nicht nur anmerkt, dass sein Regisseur ein versierter Dokumentarfilmer ist, sondern auch, dass er beim Filmstudium in Paris seine Lektion Nouvelle Vague gelernt hat: Die jungen, schönen Helden seines Films sind einfach da. Man braucht nicht zu wissen warum, um ihnen eine Weile beim bloßen Dasein zusehen zu können, und zwar mit Vergnügen.

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