Kultur : Immer auf Linie

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Als Eckhart Hachfeld jr. wurde der Schriftstellersohn in Thüringen geboren, doch bekannt wurde er unter seinem Künstlern Volker Ludwig. Seine eigene Karriere begann im studentenbewegten Berlin der sechziger Jahre, als Gründer und Haupttexter des „Reichskabarett Berlin“. Der Kabarettist, der mit emanzipatorischer Wut Programme wie „Der Guerilla lässt grüßen“ schrieb, entdeckte bald die Kinder als Hoffnungsträger. Für eine bessere, eine veränderbare Welt. Schon 1966 wurde das „Theater für Kinder im Reichskabarett“ gegründet, und der lange Marsch des Kindertheaterautors ging, zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Rainer Hachfeld, mit „Die Reise nach Pitschepatsch“ und „Stokkerlok und Millipilli" los.

Volker Ludwig ist dreifacher Vater: Seine Kinder heißen Nicolas, Kaspar und – Grips und sind 35, 6 und 30 Jahre alt. Das Grips, wie es seit 1972 heißt, hat Geschichte geschrieben. Sein Leiter und Hauptautor Volker Ludwig wurde der weltweit bekannteste und am meisten nachgespielte Berliner Theatermacher. In Indien ist er so bekannt wie Brecht. In den Anfangsjahren von Politikern heftig bekämpft als „linksradikale Kaderschmiede“, wurde das Grips später wegen seines unbeirrbaren Optimismus und seines festen Glaubens, die Probleme der Welt seien auf der Bühne darstellbar wie auch lösbar, plötzlich angegriffen. Doch Ludwig, dessen künstlerische Konsequenz und Unbeirrbarkeit sich gelegentlich in Unleidlichkeit ausdrücken kann, hat seine Überzeugungen nie aufgegeben.

Ludwigs Stil: Das ist fröhliches Alltagstheater mit Liedern, geboren aus dem Geist der antiautoritärten Revolte und aus sozialer Fantasie. Seine „Linie 1“ geht vom Hansa-Platz noch immer um die Welt. „Ab heute heißt du Sara“ ist eine der genauesten Auseinandersetzungen mit dem Leben einfacher Menschen unter dem Nationalsozialismus. Gerade kam Ludwigs „Kannst du pfeifen, Johanna“ für Menschen ab 5 zur Uraufführung, und schon im Oktober will er ein neues Kinderstück fertig haben: „Julius und die Geister“. Es handelt, natürlich, von Realitäten und Wunschträumen. Dafür lieben wir ihn. Hartmut Krug

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