Kultur : Immer blinken!

Das Berliner Filmmuseum und sein Jahresprogramm.

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Im Februar ist der 50. Jahrestag des Oberhausener Manifests gefeiert worden, das als Geburtsurkunde des Neuen Deutschen Films gilt. Das Medienecho war enorm, und das wird es in vier Jahren wieder sein, wenn der 50. Geburtstag der Film- und Fernsehakademie Berlin ansteht. Ein vergleichbares Medienecho wäre auch der Deutschen Kinemathek zu wünschen, die am 1. Februar 1963 gegründet wurde und das Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz betreibt. Das Jubiläum wird etwas früher gefeiert, am 24. Januar, da es im Schatten der Berlinale untergehen würde. Die Jahrespressekonferenz am Montag war die erste ihrer Art – das zeigt, wie sehr diese Institution unterschätzt wird. Dabei gäbe es ohne sie keine Ausstellungen im Haus und keine so gut recherchierten Bücher.

Was die Bestände angeht, kann es die Deutsche Kinemathek inzwischen mit der legendären Cinemathèque Française aufnehmen, versichert ihr künstlerischer Direktor Rainer Rother. Dazu gehören über eine Million Fotos, 16 000 Plakate, 20 000 Architektur- und Kostümskizzen sowie Kopien von mehr als 13 000 Filmen, außerdem wertvolle Leihgaben – etwa das Original-Krümelmonster, das man ab heute in der Ausstellung zur Sesamstraße besichtigen kann. Idealismus alleine aber genügt nicht: Rother spricht offen von „Vermarktung“, wenn er über seine Arbeit spricht. Am besten gelingt sie bei Sammlungen, die das Leben internationaler Stars wie Romy Schneider dokumentieren. Derlei lässt sich an Museen in aller Welt ausleihen, während die in Berlin enorm erfolgreiche Loriot-Ausstellung nicht exportfähig war.

Sogar ein Besucherprofil liegt für das Museum vor, in zweijähriger Arbeit wurde es erstellt. „Ein überdurchschnittlicher Prozentsatz hat Abitur“, weiß Rother zu berichten. „Nichtdeutsche Besucher kommen überwiegend aus Frankreich, englischsprachigen Ländern oder Italien – Menschen, die sich generell für Kunstausstellungen mit einen gewissen Anspruch interessieren.“

Die Nachfrage ist also groß, doch die Einnahmen decken gerade mal die Kosten. Was leider fehlt, ist Planungssicherheit. So ist zwar für das kommende Jahr eine große Bernd-Eichinger-Ausstellung vorgesehen, seine Witwe hat den Nachlass nach Berlin gegeben. Einen genauen Termin aber kann man nicht verkünden, da noch immer Sponsoren fehlen. „Wir würden gern permanent leuchten“, versichert Rother. „Manchmal können wir nur blinken.“Frank Noack

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