Kultur : Immer den Ohren nach

Jörg Königsdorf

empfiehlt einen Ausflug nach Potsdam Mit der Eröffnung der neuen Saison ist der Potsdamer Nikolaisaal diesmal den Berliner Klassiktempeln eine Nasenlänge voraus: Während in der Philharmonie noch die Putzkolonnen wienern und für festlichen Glanz zum Musikfest sorgen, während im Konzerthaus noch die letzten Konzerte der Berliner Weltjugendtagsvariante young.euro.classic abgefeiert werden, starten die Potsdamer durch. Schon am kommenden Samstag beginnt die Spielzeit mit einer Belcanto-Gala – nicht weil man den Berlinern das Wasser abgraben will, sondern weil vor fünf Jahren der Nikolaisaal eröffnet wurde.

Tatsächlich ist es erstaunlich, dass bislang erst wenige Berliner diesen Saal entdeckt haben. Denn erstens ist dem französischen Architekten Rudy Ricciotti mit dem Bau ein Meisterstück gelungen – akustisch ausgezeichnet, funktional und originell zugleich. Und zweitens bietet das Programm ein weit gefächertes Spektrum, das von Klassik über Pop bis zu Lesungen reicht – und das oft zu relativ niedrigen Eintrittspreisen.

Obwohl die Veranstalter mit dem Malteser Joseph Calleja einen Shooting-Star für ihre Belcanto-Gala verpflichtet haben, reichen die Kartenpreise nur von 8 bis zu moderaten 26 Euro, erheblich weniger als bei Callejas unglücklichen Auftritt im Rahmen von Bellinis „Puritanern“ an der Deutschen Oper . Vielleicht hat der 26-Jährige den Sommer genutzt, um sich vom Opernjetset auszuruhen und an seiner Gesangstechnik noch etwas nachzubessern. Denn wer seine im vergangenen Jahr erschienene Debüt-CD (Decca) gehört hat, weiß, wie jammerschade es wäre, wenn diese wunderschöne Tenorstimme verheizt würde. Bellini und Donizetti, seit jeher die großen Prüfsteine für eine gute Belcanto-Technik, stehen auf dem Potsdamer Galaprogramm, das sich Calleja mit der slowenischen Sopranistin Tatjana Lisnic teilt.

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