Kultur : „Immer schön die Untersetzer benutzen, Jungs!“

Sittenbild mit Schürze: „Ein seltsames Paar“ am Berliner Schlossparktheater.

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Es war die Zeit, als schwerer Zigarettendunst über den Pokerrunden hing und niemand ein Fenster öffnete. Als man den Scotch ohne Eis trank und danach Mittag essen ging. Als die Frauen von den Kerlen noch Klunker erwarteten und keine Quote. Die sechziger Jahre waren das Männerparadies. Und wenn heute eine Serie wie „Mad Men“ Erfolge feiert, die von ketterauchenden, trinkfesten und promisken Werbern dieser Ära erzählt, sagt das viel über die Gegenwart. Geschlechterdiskurse, Befindlichkeitsbücher und Gesundheitsdiktat ersetzen eben kein Selbstbewusstsein in Hawaiihemdsärmeln.

Auch Neil Simons Broadway-Hit „Ein seltsames Paar“ von 1966 zeichnet eine heile Welt für Männer mit Peter-Pan-Komplex, die in ihrem Leben noch keine Unterhose selbst gewaschen haben. Und spielt mit dem Einbruch des Ordnungsfimmels in die vollendete Junggesellenidylle, ausgerechnet in Männergestalt. Sicher steckt auch in dieser Buddy-Komödie über vertauschte Rollen und ihre Klischees viel gegenwartstaugliches Material, wäre jedenfalls eine Entdeckung wert.

Am Schlossparktheater hat jetzt Regisseurin Adelheid Müther den Stoff inszeniert. Klar muss man zuallererst Jack Lemmon und Walter Matthau als Vorbilder verdrängen, die in der legendären Verfilmung von Gene Saks das „Odd Couple“ waren, das hatte nun mal Ewigkeitswert. Harald Juhnke und Eddi Arent konnten sich nicht ganz so stark einprägen. An Dieter Hallervordens Steglitzer Bühne sind es Rainer Hunold und Ulrich Gebauer, die sich in den Hauptrollen dialogstark auf die Nerven gehen sollen. Man folgt also dem beliebten Prinzip, TV-Stars ihre Bühnenwurzeln wiederentdecken zu lassen. Der Staatsanwalt trifft den SoKo-Leiter.

Bühnenbildner Matthias Karch hat dazu eine naturalistische New Yorker Bude mit Pokertisch und Sechziger-Sesseln hingestellt, an der Wand hängt Edward Hoppers „Summer Interior“, hinter den Fenstern leuchtet eine Häuserzeile im passenden Stil. Es ist die Wohnung von Oscar Madison (Gebauer), dem geschiedenen Sportreporter, der hier seine Kumpels zu Kartenspiel und Scheibenkäsesandwiches in stickiger Atmosphäre empfängt. Der Friede wird allerdings empfindlich gestört, als Oscar seinen besten Freund Felix Unger (Hunold) bei sich aufnimmt. Der ist gerade nach zwölf Ehejahren von seiner Frau vor die Tür gesetzt worden und kokettiert schwer mit Selbstmordgedanken. Es dauert nicht lange, und der gebeutelte Oscar hätte nichts dagegen, wenn denen auch Taten folgen würden. Felix erweist sich als hypochondrische Plage mit Sauberkeitsneurose. Er legt ein Haushaltsbuch an, führt in der Küche das Regiment, montiert einen Frischluftfilter und ermahnt die Pokerspieler, ihre Gläser nicht auf den Tisch zu stellen: „Immer schön die Untersetzer benutzen, Jungs“. Kurzum, er nervt schlimmer als die kontrollsüchtigste Ehefrau. Und als Oscar ein Rendezvous mit zwei heißen Nachbarinnen einfädelt, sorgt sich Felix nur um seinen Rostbraten Wellington.

Ein Sittenbild mit Schürze also. Durchzogen von dieser ganz eigenen verklemmten Frivolität, die man aus vielen Komödien der Sechziger kennt. Damit ließe sich ja spielen! Der Anspruch von Regisseurin Müther – die am Schlossparktheater zuletzt „Alexandra – Glück und Verhängnis eines Stars“ inszeniert hat – beschränkt sich allerdings darauf, das Stück möglichst nostalgisch auf die Bühne zu bringen. Wenn sie wenigstens Gespür für Timing hätte. Doch erst nach der Pause dürfen Hunold und Gebauer etwas aufdrehen und im großen Ehekrach ein paar Funken fliegen lassen. Die beiden sind schon okay in ihren Rollen, aber wirklich beleben können sie dieses Theater von gestern nicht.

Wieder 30.4. bis 2.5., 20 Uhr

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