Kultur : Immer wieder Sonntags: Die Liebe in Zeiten des Kalten Krieges

Wenn es drinnen und draußen so furchtbar novembrig wird, ist es meist ein guter Gedanke, ein Museum zu besuchen. Dafür begeben wir uns diesmal nicht mitten in die Stadt hinein, sondern etwas an den Rand, genauer, an die Clayallee 135. Dort liegt das ehemalige Outpost-Kino der amerikanischen Truppen. Outpost hieß es deshalb, weil Berlin in den Jahren des Kalten Krieges als Vorposten der Freiheit galt, und die Soldaten diesen Namen für besonders passend hielten. In Berlin stationiert zu sein, galt damals als besondere Ehre, weil man sich hier ständig im Zentrum der Weltgeschichte befand. Gleich neben dem Kino befindet sich die ehemalige Bibliothek der amerikanischen Community. Das ganze Gelände beherbergt heute das Alliierten Museum, beliebtes Ziel für ehemalige Angehörige der berühmten Berlin Brigade, aber auch für Berliner Familien, deren glückliche Kinder und Enkelkinder keine Ahnung haben, was für ein Pulverfass ihre Stadt lange war.

Die Ausstellungen dort wechseln immer wieder, das Museum verfügt über einige tausend Objekte, gestiftet von Soldaten, die über die Jahre hier stationiert waren. Was auch gerade für eine Ausstellung läuft, man wird auf jeden Fall ein Gefühl für die große Anspannung jener Jahre bekommen, in denen ein katastrophales Ende immer näher lag, als das glückliche, das am Ende die Mauer überwand. Ältere West-Berliner können manches, was dort ausgestellte Zeitungsartikel vermitteln, wahrscheinlich noch mitsprechen, weil die Solidaritätsbekundungen der Westmächte wie Infusionen wirkten; den Zeitungen waren sie regelmäßig dicke Schlagzeilen wert. Schließlich werden in dem Museum die Bedrückungen jener Jahre wieder lebendig: Ein Fluchttunnel und ein ehemaliges Kontrollhäuschen vom Checkpoint Charlie gehören zur ständigen Ausstellung, außerdem lagern dort Bilder vom Herbst 1961, als am Checkpoint Charlie russische und amerikanische Panzer einander gegenüber standen und ein Atomkrieg unmittelbar bevorzustehen schien, Bilder amerikanischer Präsidenten, wie sie auf den Podesten längs der Mauer standen, um anschließend immer wieder ihr Engagement für die Freiheit der Stadt zu betonen.

Noch so ein interessanter, sonntagswürdiger Zeitvertreib: Man kann den Versuch unternehmen, sich in eine Ära hineinzuversetzen, in der man noch keine Ahnung hatte, wie die Geschichte ausgehen würde. Wie hätte man selbst als Entscheidungsträger agiert?

Es ist dies übrigens keineswegs nur ein Museum für militärisch Interessierte. Erstens handeln zahlreiche Ausstellungsstücke von zwischenmenschlichen Begebenheiten, von Liebe und Freundschaft. Und zweitens erzählen viele Dokumente auch davon, was Solidarität und Unbeirrbarkeit alles schaffen können. An diesem Wochenende vor zwölf Jahren war ganz Berlin auf den Beinen, um den Sieg der Freiheit zu feiern.

Die Geschichte geht natürlich nicht aus, sondern immer weiter. Deshalb bekommt auch das Alliierten Museum immer neue Kunden dazu. Für Neu-Berliner, besonders solche, die im politischen Geschäft tätig sind, ist der Besuch fast ein Muss. Zur Not auch alltags nachzuholen.

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