Kultur : Immer wieder sonntags: Qualen im Kleinwalsertal

Die Zeiten sind wirr, fürwahr. Männer waschen sich nicht mehr die Hände, von den Füßen wollen wir gar nicht erst anfangen; Frauen gehen über zum distanzierten "Hallo", um nur ja keinen Händedruck mehr austauschen zu müssen; Betriebsräte verlangen Kleenextücher neben Türklinken; Ärzte verzweifeln, weil es keine Einweghandschuhe mehr gibt; Kolumnistinnen wissen nicht mehr, welchem Dichter welches Zitat zuzuordnen ist - mea culpa, mea maxima culpa! -, und deutsche Dichter am Bodensee leiden schon jetzt Höllenqualen bei der Vorstellung, einen französischen Wein eines nahen Tages mit Euro bezahlen zu müssen.

Denn, so läßt Martin Walser in seinem Beitrag zur Europadebatte in der "Welt" den kosmopolitischen Snob, oder das, was er dafür hält, raushängen: Meinen Chateau Margaux mit Euro bezahlen? Mit diesem Ungeld, das das Zeitalter des praktischen Esperanto eröffnet? Der Euro, der mir die Freiheit des Geldtauschens und die Gewissheit, was ich wert bin, raubt? ("Was du in Mark wert warst, wusstest du nur zu genau.") Soll der Mann doch aufs heimische Viertele Most umsteigen und für sich und seinesgleichen im badenwürttembergischen Kleinwalsertal etwas Alternatives einführen, wie seinerzeit die Knochenwährung.

Womit wir auch schon bei den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Herrschaften im Neandertal wären. Dort soll nämlich auch nicht alles nur rosig gewesen sein, obwohl die Menschen damals dort aus Knochen eher Flöten schnitzten (was durchaus auf Kunstverständnis schließen läßt), als sie zum Tausch gegen fremde Weine anzubieten. Die Zuwanderer, denen sie begegneten, hatten vermutlich sowieso keinen Alkohol dabei, weil sie vollauf damit beschäftigt waren, den allerersten Weltkrieg anzuzetteln. Dieses trug sich etwa 40- bis 30 000 vor Christus zu und richtete sich vor allem - warum, weiß keiner - gegen die Neanderthaler.

Nun streiten sich wie immer die Experten: Ist der Mensch, wie wir ihn heute zu kennen glauben (also auch jener, der sich nach dem Pinkeln nicht die Hände wäscht), ein zugewanderter Krieger gewesen, der den Neanderthaler, der dort seit 160 000 Jahren friedlich auf seiner Knochenflöte spielte und hübsche Höhlenbilder malte, ohne viel Federlesens auslöschte und durch sich selbst ersetzte? Oder ist der Mensch, wie wir ihn kennen, erst aus der Vermischung zwischen Neanderthaler und Zuwanderer entstanden?

Bis jetzt scheint nur sicher zu sein, dass "Rothaarige mit robuster Physis" aus einer solchen Verbindung stammen, was vielleicht erklären könnte, warum sie ihre dreckige Wäsche nicht selbst waschen, schon lange nichts Richtiges gegessen haben und immer mit ihrer Mutti über AOL kommunizieren müssen.

Guru Henryk sagt, er kann sich momentan mit so was nicht beschäftigen. Er hat nämlich im Talmud über die Erhaltung der Welt gelesen, dass Gott ursprünglich den Menschen als Vegetarier geschaffen hat und den Fleischgenuss erst nach der Sintflut als Zugeständnis an die gefallene Menschheit erlaubte. "Darüber solltest Du mal nachdenken", mahnt er.

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