IMOGEN im Konzerthaus : Bach zappt

Joel Gamzous Ensemble IMOGEN bietet im Konzerthaus eine Tour de Force durch die Musikgeschichte. Ein aufregendes Experiment.

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Dirigent Joel Gamzou.
Dirigent Joel Gamzou.Foto: Promo

Trotz verheißungsvoller Ansätze ist die Kluft zwischen seriöser Kunst- und populärer Unterhaltungsmusik nicht überbrückt. Umgekehrt ist auch die These, es gäbe keine E- und U-Musik, sondern nur gute und schlechte, nicht mehr ganz taufrisch. Letztlich entscheidet allein die Qualität von Cross-Over-Projekten. Etwas demonstrativ wirken in diesem Sinne die Begrüßungsworte des jungen Dirigenten Yoel Gamzou im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses. Aber ungewöhnlich ist sein Projekt IMOGEN mit einer Streicherformation aus Gamzous International Mahler Orchestra, um die sich das Publikum an allen vier Seiten gruppiert, tatsächlich: Der erste Teil bietet eine Tour de Force durch die Musikgeschichte von Purcell bis Björk, der zweite stellt William Waltons kaum bekanntes a-Moll-Streichquartett in der Kammerorchester-Fassung des Komponisten vor. Den dritten Teil hat der französische Geiger Gilles Apap kuratiert.

Gamzou ist trotz manchmal zu ausladender Gestik ein fraglos hochbegabter Dirigent mit der Fähigkeit, hervorragende Musiker für die gemeinsame Sache zu begeistern. Die von dem tollen Bratschisten Ian Anderson geschickt zusammengestellte Kompilation des ersten Teils begibt sich gelegentlich in Gefahr, die Kommunikation zwischen den so verschiedenen Stücken auf abstrakte Kontraste, etwa den zwischen dissonanter neuer und tonaler älterer Musik zu verkürzen. Aber das Experiment ist aufregend und manche Übergänge – von Purcell zu Vivier oder Ravel zu Frank Zappa – funktionieren großartig. Auch die Begegnung mit Waltons motivisch häkeligem Quartett lohnt sich dank einer farbigen und rhythmisch bissigen Darbietung. Fragwürdig wird es danach. Zum Solisten in Bachs E-Dur- Konzert disponiert Gilles Apap offenbar, dass er die geringsten Hemmungen zeigt, diese Musik als cool anzupreisen. Mit einer verkasperten Interpretation unterm Gute-Laune-Diktat geht das Projekt dem eigenen Marketing in die Falle. Insgesamt wünscht man der spannenden Initiative die gelegentliche Berücksichtigung des altersweisen Slogans „Less is more“.

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