Kultur : Imre Kertesz warnt vor Kompromiß mit Diktator Milosevic

Der ungarische Schriftsteller Imre Kertesz hat vor einem vorschnellen Einlenken der Nato-Staaten im Jugoslawien-Krieg gewarnt."Ein voreiliger Kompromiß wäre für Osteuropa eine schlimme Niederlage", sagte Kertesz (69) in einem Gespräch mit dem "Spiegel".Der Westen habe Jugoslawiens Präsident Milosevic viel zu lange für einen Garanten von Stabilität gehalten: Ein Diktator könne nie ein solcher Garant sein.Ein übereilter Kompromiß "würde diese Art populistischer Nationalisten nur ermuntern", meinte der aus Budapest stammende Autor, der als Kind jüdischer Eltern 1944 nach Auschwitz deportiert worden war.

"Wenn dieser Krieg wirklich die Botschaft haben soll, daß es in Europa Prinzipien gibt, daß diktatorische usurpatorische Handlungen nicht geduldet werden, dann braucht man den Erfolg", sagte Kertesz, dessen "Roman eines Schicksallosen" internationale Anerkennung fand.Sollte sich, so Kertesz, herausstellen, daß einem Land nur die Nato-Bedingungen aufgezwungen werden sollen, wäre das ein "Desaster".Die Schattenseite sei, daß die Jugoslawen, besonders die Gegner von Milosevic, mit der Bombardierung leben müßten und "den Fanatismus um sie herum ertragen." Der Krieg könne Berechtigung nur in einer "guten Lösung" finden.

Kritik an der Beteiligung deutscher Soldaten am Nato-Einsatz mit dem Hinweis auf die deutsche Bombardierung Belgrads 1941 bezeichnete Kertesz als "pure Demagogie": "Milosevic hat den Sozialismus auf die Spitze getrieben, mit Nationalismus angereichert, und herausgekommen ist eine Art Nationalsozialismus - mit dem bekannten Ergebnis: Massenausrottung." Deutschland als "riesige Wirtschaftsmacht" habe in Europa eine neue Rolle zu spielen: "Das ist kein moralischer Imperativ, sondern schlicht eine Tatsache".

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